Aus der Werkstatt des Theologen

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Thaddaeus
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#91 Re: Aus der Werkstatt des Theologen

Beitrag von Thaddaeus » Fr 11. Okt 2019, 17:08

closs hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 14:28
Thaddaeus hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 14:18
Mt. greift in den Text überarbeitend ein, weil Gadara näher am See liegt als Gerasa, was jeder weiß, der aus der Gegenstand kommt. Und das war es an Erklärung für diese Abweichung.
Verständnisfrage: Wenn man eine nachvollziehbare Erklärung findet, heißt dies für Dich, dass es keine andere Erklärung geben kann? (Völlig unabhängig von diesem konreten Fall). - Es klingt bei Dir wie "Diese Erklärung ist gut - Fall erledigt".
Natürlich kann es alternative Erklärungen geben. Die sollten dann aber besser sein, als die, die sie ersetzen sollen.

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abc
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#92 Re: Aus der Werkstatt des Theologen

Beitrag von abc » Fr 11. Okt 2019, 17:11

Thaddaeus hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 14:18
Der textliche Anknüpfungspunkt für meinen Hinweis, dass mit dem merkwürdigen Namen "Legion" die konkrete Legio X Fretensis gemeint sein könnte, ist eben dieser Name und die Tatsache, dass die Legio X Fretensis einen Eber in der Standarte trug, was wiederum auf die Schweine unserer Geschichte verweisen könnte. Wenn man dieser Erklärung nichts abgewinnen kann, dann lässt man es eben und muss eine andere für das Auftauchen von "Legion" an dieser Stelle suchen.
Also, ich bin dir dankbar, denn gerade dieser konkrete Bezug auf besagte Legion (Legio X Fretensis) hat mir neue Horizonte eröffnet. Auch wenn es keine konkreten Bezüge gegeben haben mag - steht sie doch für eine "Klasse" römischer Gewalt.

Magdalena61 hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 04:19
Ich denke mal, das ist richtig übersetzt, obwohl "Legion ist mein Name; denn wir sind viele!" im Deutschen nicht unbedingt sonderlich intelligent klingt, um nicht sagen zu müssen: Es klingt verdächtig nach Klapse.
In die Klapse gehören vermutlich die Helgolandkandidaten.

Ich halte die Äußerung und Verwendung des Wortes "Legion" für außerordentlich intelligent, ich würde sogar sagen, sagenhaft, denn dieser 'wörtliche Einfall' verbindet den Kontext auf geradezu geniale Weise, schlägt es doch einen Brückenschlag zur römischen Legion, die eben nicht nur für eine Vielzahl steht, sondern für Macht, Kampf, Streit, Krieg (...) und all die Begleiterscheinungen, wie: Schrecken, Übergriffe, Verletzung, Leid, Verzweiflung, ...

Hier sind "Wort, Name, Kontext und Bild" ineinander verschmolzen.

Welcher Name könnte wohl besser sein, um eine Kraft aufzuzeigen, die das Individuelle übersteigt, gleichsam zu zerstören sucht, mittels einer Übermacht anonymisierter Gewalt ...

closs
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#93 Re: Aus der Werkstatt des Theologen

Beitrag von closs » Fr 11. Okt 2019, 18:40

Thaddaeus hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 17:08
Natürlich kann es alternative Erklärungen geben. Die sollten dann aber besser sein, als die, die sie ersetzen sollen.
Wer entscheidet das?

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Scrypton
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#94 Re: Aus der Werkstatt des Theologen

Beitrag von Scrypton » Fr 11. Okt 2019, 18:45

closs hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 18:40
Thaddaeus hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 17:08
Natürlich kann es alternative Erklärungen geben. Die sollten dann aber besser sein, als die, die sie ersetzen sollen.
Wer entscheidet das?
Logik, Nachweise, ... - sowas halt. 

closs
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#95 Re: Aus der Werkstatt des Theologen

Beitrag von closs » Fr 11. Okt 2019, 18:52

Scrypton hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 18:45
Logik, Nachweise, ... - sowas halt.
1) Logik ist ein Instrument, das man auf jede Hermeneutik aufsetzen kann.
2) "Nachweise" sind in Interpretationen schwerlich experimentell überprüfbar - wir sind hier in den Geisteswissenschaften.

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Scrypton
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#96 Re: Aus der Werkstatt des Theologen

Beitrag von Scrypton » Fr 11. Okt 2019, 18:53

closs hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 18:52
Scrypton hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 18:45
Logik, Nachweise, ... - sowas halt.
1) Logik ist ein Instrument, das man auf jede Hermeneutik aufsetzen kann.
Falsch; aber das wissen wir ja bereits. Nur du halt nicht... ja mei...
Und nun sollten wir diesen Thread nicht auch noch mit deinem Hermeneutik-Quatsch zerstören, okay? :)

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sven23
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#97 Re: Aus der Werkstatt des Theologen

Beitrag von sven23 » Fr 11. Okt 2019, 20:21

closs hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 14:28
Thaddaeus hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 14:18
Mt. greift in den Text überarbeitend ein, weil Gadara näher am See liegt als Gerasa, was jeder weiß, der aus der Gegenstand kommt. Und das war es an Erklärung für diese Abweichung.
Verständnisfrage: Wenn man eine nachvollziehbare Erklärung findet, heißt dies für Dich, dass es keine andere Erklärung geben kann? (Völlig unabhängig von diesem konreten Fall). - Es klingt bei Dir wie "Diese Erklärung ist gut - Fall erledigt".
Die Erklärung muss plausibel begründbar und nachvollziehbar sein. Wenn du eine bessere als die Forschung hast, dann laß es uns wissen.
 
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

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#98 Re: Aus der Werkstatt des Theologen

Beitrag von closs » Fr 11. Okt 2019, 20:32

sven23 hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 20:21
Die Erklärung muss plausibel begründbar und nachvollziehbar sein.
Das war noch nie das Problem.

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#99 Re: Aus der Werkstatt des Theologen

Beitrag von Scrypton » Fr 11. Okt 2019, 20:42

closs hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 20:32
sven23 hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 20:21
Die Erklärung muss plausibel begründbar und nachvollziehbar sein.
Das war noch nie das Problem.
Doch; und genau das >ist< dein Problem...

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Thaddaeus
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#100 Re: Aus der Werkstatt des Theologen

Beitrag von Thaddaeus » Fr 11. Okt 2019, 21:11

Magdalena61 hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 04:19
Dann gibt es hier noch eine Notiz:
In diesem heidnischen Gebiet befreit Jesus einen Besessenen von einem Geist (bzw. einer Vielzahl von Geistern), der sich Legion nennt. Das ist nach A. Meyer nicht lat. legio, sondern das aus dem Lat. übernommene aram. לִגְיוֺן ligjôn, hier „Befehlshaber einer Legion“ (das Wörterbuch von Levy nennt als Belegstelle für diese Bedeutung z.B. bBer 5,1 [32b], Bd. 1, S. 121, Z. 16 in Goldschmidts Talmudausg.).
Quelle
Das ist in der Tat eine interessante Anmerkung, der man nachgehen sollte.
Faktisch spricht Jesus in allen Textvarianten mit nur einem Dämon, und es wird erst gar nicht der erzählerische Versuch unternommen, alle Dämonen sprechen zu lassen. Dann hätte das vielleicht so geklungen: "Und alle Dämonen antworteten Jesus, unser Name ist Legion" oder ähnliches. Die Vielzahl der Dämonen wird allenfalls durch die Umschreibung: "... und antworteten mit gewaltiger Stimme" u.ä. ausgedrückt. Das Verständnis לִגְיוֺן ligjôn als „Befehlshaber einer Legion“ würde auch nicht in Widerspruch dazu stehen, dass möglicherweise auf die Legio X Fretensis angespielt wird und dann sogar auf deren Befehlshaber Lucius Flavius Silva (der seine Legionäre anführt wie der Dämon seine Dämonengenossen.

Magdalena61 hat geschrieben:
Fr 11. Okt 2019, 04:19
Thaddaeus hat geschrieben:
Di 8. Okt 2019, 12:17
Noch viel mehr verbieten sich jedoch Spekulationen darüber, was mit dem vermeintlich 2. Besessenen bei Mk. und Lk. ist, der ausschließlich bei Mt. auftaucht. Von diesem 2. Besessenen steht schlicht und einfach nichts bei Mk. und Lk. und darum gibt es ihn bei diesen Evangelisten auch nicht! Dort trotzdem einen 2. Besessenen hineinzulesen heißt nichts anderes, als sich den Text nach dem zurechtzulesen, woran man selbst gerne glauben möchte, was so aber nicht in den Texten steht.
Na ja, aber Matthäus schreibt ja nun einmal von zwei Besessenen. Und es scheint sich in allen drei Evangelien um dieselbe Begebenheit zu handeln. Wie würdest DU denn dieses Problem lösen?
Das hatte ich oben bereits ausgeführt:

Thaddaeus hat geschrieben:
Do 3. Okt 2019, 11:37

Mt. wendet die literarische Kunstform der VERDOPPELUNG an, in dem er aus einem Besessenen Gerasener einfach zwei macht. Sinn und Zweck der Doppelung ist es wiederum, die Autorität und Macht Jesu größer erscheinen zu lassen.
Wenn Jesus nicht nur einen Besessenen heilen kann (indem er dessen Dämonen austreibt, deren Anzahl "Legion" ist), sondern gleich zwei, dann muss er logischerweise auch über doppelt soviel Macht verfügen. So jedenfalls will es die erzählerische Logik von Wundertaten (die gelegentlich dazu führt, dass alle Synoptiker so genannte SUMMARIEN bilden und diese Summarien zuweilen sogar kopieren. Siehe hierzu den Exkurs weiter unten!).

Zudem versperren jetzt gleich zwei gefährliche Besessene Jesu Weg, womit Mt. ebenfalls sehr schön deutlich macht, dass es nun gefährlich für Jesus werden könnte. Erzählerisch stümperhaft ist freilich, dass Mt. die Gefährlichkeit der Besessenen nicht so bild- und lebhaft vor Augen führt, wie Mk. und auch Lk. Matthäus ist der Ansicht, es reichte einfach hinzuschreiben, die beiden Besessenen seien: "... ganz gefährliche ..."!

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