Sich sorgen oder vertrauen?

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Tree of life
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#1 Sich sorgen oder vertrauen?

Beitrag von Tree of life » Sa 30. Jan 2021, 11:01

JackSparrow hat geschrieben:
Sa 30. Jan 2021, 08:09
SilverBullet hat geschrieben:
Fr 29. Jan 2021, 17:12
Du müsstet doch ersteinmal klären, wie der einzelne Gläubige die Aussagen seiner Religion versteht.
Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Mt6,25

Ist diese Aussage missverständlich?

Vielleicht sollte man sich mal den ganzen Text ansehn:
https://www.bibleserver.com/LUT/Matth%C3%A4us6%2C19-34

19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen.

20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen.
21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
22 Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.
23 Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein.
Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!

24 Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten.
Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

25 Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.
Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?

26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.
Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?
27 Wer ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?
28 Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung?
Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.
29 Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.
30 Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: Sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen?
31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?

32 Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. 33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.
34 Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

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Ich verstehe es so, dass man sich nicht so sehr Sorgen machen soll um die materiellen Dinge(streben danach), sondern "Gott" das Geschick lenkt, wenn man ihm vertraut.
Was aber nicht bedeutet, dass man daheim sitzen sollte und warten, bis "Gott" einem alles in den Schoß legt.

Ruth
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#2 Re: Sich sorgen oder vertrauen?

Beitrag von Ruth » Sa 30. Jan 2021, 11:35

Tree of life hat geschrieben:
Sa 30. Jan 2021, 11:01
Ich verstehe es so, dass man sich nicht so sehr Sorgen machen soll um die materiellen Dinge(streben danach), sondern "Gott" das Geschick lenkt, wenn man ihm vertraut.
Was aber nicht bedeutet, dass man daheim sitzen sollte und warten, bis "Gott" einem alles in den Schoß legt.

Lustig ... darüber hatte ich auch gerade heute Nacht nachgedacht, ob Vertrauen bedeutet, dass man die Hände in den Schoß legt und einfach abwartet, oder wieviel "Eigenleistung" dabei erforderlich ist..

Bei meinen Gedanken ging das Vertrauen in die Richtung: Krankenheilung.
Es gibt etliche Christen, die glauben, dass wenn man als Christ krank ist, dann stimmt irgendetwas nicht mehr mit dessen Glauben. Für viele von ihnen handelt Gott dabei nur durch Spontanheilungen... nach dem Motto: dem geht nichts mehr zuzufügen.

Wenn man mal die Heilungen anschaut, wie sie von Jesus durchgeführt wurden, dann hat er oft Rituale dabei durchgeführt oder forderte den Kranken dazu auf, etwas zu tun, was dieser eigentlich nicht konnte.
zB beim Blindgeborenen, in Johannes 9,6
oder der Lahme am Teich Bethesda, in Johannes 5,1-16

Das tat Jesus sicher nicht, um zu zeigen, dass diese Rituale oder Handlungen immer zur Heilung führen. Ich denke, dass er damit zeigen wollte, dass die beste Art, Glauben zu leben darin besteht, dass man zuerst Gott Vertrauen schenkt, und dann selbst alles dafür einsetzt, wozu man fähig ist ... im Vertrauen, dass Gott die eigenen Grenzen überwindet, und dort handelt, wo der Glaubende selbst seine Grenzen hat.

Glauben/Vertrauen (nicht sorgen) bedeutet damit eigentlich nur, dass man MIT Gott vorwärts geht, soweit es einem selbst möglich ist ... um vielleicht dann festzustellen, dass man MIT Gott den Mangel (Grenzen) ausfüllen und überwinden kann.
Ich erhebe in keinem meiner Beiträge den Absolutheitsanspruch. Es ist immer meine Meinung, die ich schreibe. Ebenso lese und verstehe ich auch andere Beiträge : als Meinung des jeweiligen Schreibers.
In dem Sinne ... LG :wave:

Anthros

#3 Re: Sich sorgen oder vertrauen?

Beitrag von Anthros » Sa 30. Jan 2021, 12:08

Ruth hat geschrieben:
Sa 30. Jan 2021, 11:35
dass man zuerst Gott Vertrauen schenkt, und dann selbst alles dafür einsetzt, wozu man fähig ist ... im Vertrauen, dass Gott die eigenen Grenzen überwindet, und dort handelt, wo der Glaubende selbst seine Grenzen hat.
Es gibt so viel Grausamkeit in der Welt, die dem "Vertrauen" spottet.

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sven23
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#4 Re: Sich sorgen oder vertrauen?

Beitrag von sven23 » Sa 30. Jan 2021, 12:09

Tree of life hat geschrieben:
Sa 30. Jan 2021, 11:01
Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Mt6,25

Ist diese Aussage missverständlich?

Solche Aussagen müssen immer vor dem Hintergrund einer brennenden Naherwartung gesehen werden.
Wer an die unmittelbar bevorstehenden Zeitenwende, also an die Gottesherrschaft auf Erden glaubt, für den wird persönliche Daseinsvorsorge obsolet.
Zu Zeiten von Jesus gab es noch keine staatliche Sozialhilfe, deshalb ließ er sich von Frauen aushhalten und schlug sich als Fresser und Weinsäufer durchs Leben.
Heutige orthodoxe und ultraorthodoxe Juden können kaum einer geregelten Arbeit nachgehen, weil sie sich lieber mit dem Studium der religiösen Vorschriften beschäftigen. Sie sind meist Sozialhilfeempfänger und auf Grund ihrer hohen Reproduktionsrate die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe. Und nebenbei für viele Infektionen in der aktuellen Pandemie verantwortlich.
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

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#5 Re: Sich sorgen oder vertrauen?

Beitrag von Tree of life » Sa 30. Jan 2021, 12:16

sven23 hat geschrieben:
Sa 30. Jan 2021, 12:09

Solche Aussagen müssen immer vor dem Hintergrund einer brennenden Naherwartung gesehen werden.
Müssen gar nix.... :)
Du darfst es sehen wie du möchtest.
Für mich ist es ein Denkansatz, so auf die Art wie Lebensweisheit

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sven23
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#6 Re: Sich sorgen oder vertrauen?

Beitrag von sven23 » Sa 30. Jan 2021, 12:30

Tree of life hat geschrieben:
Sa 30. Jan 2021, 12:16
sven23 hat geschrieben:
Sa 30. Jan 2021, 12:09

Solche Aussagen müssen immer vor dem Hintergrund einer brennenden Naherwartung gesehen werden.
Müssen gar nix.... :)
Du darfst es sehen wie du möchtest.
Für mich ist es ein Denkansatz, so auf die Art wie Lebensweisheit

Jesu Naherwartung ist nun mal auf Grund der Texte Fakt und historisch plausibel, wenn man an Zeloten und Essener denkt, deren religiöses Denken sehr stark von der Naherwartung geprägt war.
Als gesellschaftliches Modell ist das natürlich völlig unbrauchbar. Zukunftsvorsorge ist ganz essentiell. Wenn wir alle wie die Hippies in den Tag reinleben würden, wäre der Staat sehr schnell am Ende.
Nichts mehr zu säen bedeutet im nächsten Jahr nichts ernten zu können und ggs. zu verhungern.
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

Lena
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#7 Re: Sich sorgen oder vertrauen?

Beitrag von Lena » Sa 30. Jan 2021, 12:31

Anthros hat geschrieben:
Sa 30. Jan 2021, 12:08
Es gibt so viel Grausamkeit in der Welt, die dem "Vertrauen" spottet.
Stimmt. 

Auch die andere Seite ist stimmig: Unzählige Menschen haben den Worten aus 
der Bibel glauben geschenkt und erfahren, dass ihr Vertrauen belohnt wurde. 
 
Kannst du mir helfen, dich richtig zu verstehen?
Erbreich 

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Tree of life
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#8 Re: Sich sorgen oder vertrauen?

Beitrag von Tree of life » Sa 30. Jan 2021, 12:32

Anthros hat geschrieben:
Sa 30. Jan 2021, 12:08
Es gibt so viel Grausamkeit in der Welt, die dem "Vertrauen" spottet.
Stimmt, aber frag dich mal warum es so viel Grausamkeit gibt?

Lena
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#9 Re: Sich sorgen oder vertrauen?

Beitrag von Lena » Sa 30. Jan 2021, 12:33

Tree of life hat geschrieben:
Sa 30. Jan 2021, 12:32
Stimmt

:mrgreen: Oh! Und das ohne gemeinsame Abstimmung. 
Kannst du mir helfen, dich richtig zu verstehen?
Erbreich 

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#10 Re: Sich sorgen oder vertrauen?

Beitrag von Tree of life » Sa 30. Jan 2021, 12:40

sven23 hat geschrieben:
Sa 30. Jan 2021, 12:30

Jesu Naherwartung ist nun mal auf Grund der Texte Fakt und historisch plausibel
Mich persönlich interessiert die "Religion" dahinter nicht mehr und auch nicht das, was Christen unter dem zukünftigen "Himmel" verstehn.
Ich leg da mehr beim lesen der Texte das Augenmerk auf das "jetzt"

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