Wer ist der richtige Adressat?

Anthros
Beiträge: 150
Registriert: Do 21. Mai 2020, 09:32
Wohnort: NRW

#1 Wer ist der richtige Adressat?

Beitrag von Anthros » Mo 1. Jun 2020, 12:51

Wer ist der richtige Adressat einer Kritik? Ist's die Bibel oder sind's ihre Ausleger? Oder die, die auf die Ausleger hören?
'Meine Taten von gestern sind mein Schicksal von heute!'
Rudolf Steiner, Wiedergeburt und Karma

Ruth
Beiträge: 1903
Registriert: Mi 3. Dez 2014, 12:42

#2 Re: Wer ist der richtige Adressat?

Beitrag von Ruth » Mo 1. Jun 2020, 13:23

Anthros hat geschrieben:
Mo 1. Jun 2020, 12:51
Wer ist der richtige Adressat einer Kritik? Ist's die Bibel oder sind's ihre Ausleger? Oder die, die auf die Ausleger hören?

Kommt darauf an, wen der Kritiker ansprechen will, und warum.

Manche Leute kritisieren nur, um ihre eigene Meinung kundzutun. Denen geht es überhaupt nicht darum, dass ihre Kritik etwas (Gutes) bewirkt. Die sind als Adressat eher Sackgassen, wo man sich mehr um sich selbst dreht - nicht wert, zu kritisiere, weil es nichts bringt.

Wer versucht, konstruktive Kritik anzubringen, erwartet Reaktionen, auch wenn diese gegen seine eigene Meinung gerichtet sind.

Die Bibel ist kein Adressat, weil sie nur ein Buch ist, in dem aus Buchstaben gebildete Wörter eine Botschaft enthalten. Die Bibel selbst kann nicht reagieren, das Buch ist Materie, das bestenfalls als Zubringer einer Botschaft dienen kann.

Die Ausleger sind, wenn es um die Bibel geht, wahrscheinlich das wichtigste Adressat von Kritik.

Diejenigen, welche auf die Ausleger hören, können ebenfalls Adressat sein. Aber bei ihnen gilt in erster Linie die Botschaft, dass jeder Mensch selbst denken und sich entscheiden sollte, welche Botschaft es wert ist, darüber nachzudenken, um nicht blind anderen Botschaftern nachzufolgen.

Kritik an sich ist ohnehin nur sinnvoll, wenn man selbst bereit ist, Kritik anzunehmen, und sich nicht nur als Anführer von denen sieht, die von seiner Führung abhängig sind. .
Zuletzt geändert von Ruth am Mo 1. Jun 2020, 13:26, insgesamt 1-mal geändert.
Ich erhebe in keinem meiner Beiträge den Absolutheitsanspruch. Es ist immer meine Meinung, die ich schreibe. Ebenso lese und verstehe ich auch andere Beiträge : als Meinung des jeweiligen Schreibers.
In dem Sinne ... LG :wave:

Benutzeravatar
sven23
Beiträge: 20630
Registriert: Fr 10. Mai 2013, 15:55

#3 Re: Wer ist der richtige Adressat?

Beitrag von sven23 » Mo 1. Jun 2020, 13:24

Anthros hat geschrieben:
Mo 1. Jun 2020, 12:51
Wer ist der richtige Adressat einer Kritik? Ist's die Bibel oder sind's ihre Ausleger? Oder die, die auf die Ausleger hören?
Ich denke, man kann hier niemanden von der Kritik ausnehmen.
Z. B. kann man die Schreiber des NT nicht wegen ihres offenen Antijudaismus von Kritik ausnehmen, obwohl sie nicht ahnen konnten, welche Folgen das haben sollte.
Man kann die Kirche nicht von Kritik ausnehmen, weil sie den Antijudaismus derart in den Vordergrund stellte, dass das gemeine Volk, das ja ausschließlich auf die kirchliche Expertise angewiesen war, derart indokriniert wurde, dass sich der Antijudaismus förmlich in die DNA eingebrannt hat. Die Folgen sind bekannt.
Heute muss man aber auch diejenigen kritisieren, die den Glaubensideologen kritiklos hinterherlaufen. Seit der Aufklärung hat der Mensch die Möglichkeit, ja sogar die Verpflichtung, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Dank Internet ist Information für jeden zugänglich, man muss es nur wollen.
Buddha hat mal was sehr passendes dazu gesagt:

Glaubt nicht bedingungslos den alten Manuskripten, glaubt überhaupt nicht an etwas, nur weil die Leute daran glauben - oder weil man es Euch seit Eurer Kindheit hat glauben lassen. Wendet an alles Euren Verstand, und wenn Ihr es analysiert und für Euch und jeden anderen für gut befunden habt, dann könnt Ihr daran glauben, danach leben und Eurem Nächsten helfen, auch danach zu leben.
(Buddha, Religionsstifter)
 
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

Lena
Beiträge: 3555
Registriert: So 1. Sep 2013, 18:33

#4 Re: Wer ist der richtige Adressat?

Beitrag von Lena » Do 4. Jun 2020, 15:13

Anthros hat geschrieben:
Mo 1. Jun 2020, 12:51
Wer ist der richtige Adressat einer Kritik? Ist's die Bibel oder sind's ihre Ausleger? Oder die, die auf die Ausleger hören?

Wer das gute aus der Bibel behaltet
auf den Mann aus Tarsus hört 
braucht niemanden zu kritisieren
Kannst du mir helfen, dich richtig zu verstehen?
Erbreich 

JackSparrow
Beiträge: 4742
Registriert: Mi 30. Okt 2013, 13:28

#5 Re: Wer ist der richtige Adressat?

Beitrag von JackSparrow » Do 4. Jun 2020, 16:47

Anthros hat geschrieben:
Mo 1. Jun 2020, 12:51
Wer ist der richtige Adressat einer Kritik? Ist's die Bibel oder sind's ihre Ausleger? Oder die, die auf die Ausleger hören?
Laut der Bibel handelt es sich bei unserer Erde um eine allseits von Wasser umgebene flache Scheibe. Für solche Aussagen müssen die Autoren der Bibel kritisiert werden.

Laut den Auslegern der Bibel dürfen Bibeltexte, die nicht mehr dem heutigen Stand der Wissenschaft entsprechen, nur noch "geistig" oder "bildlich" verstanden werden. Für solche Aussagen müssen die Ausleger der Bibel kritisiert werden.

Da Menschen sich irren können und es sich offenbar sowohl bei den Autoren als auch bei den Auslegern um Menschen handelt, dürfen sowohl Autoren als auch Ausleger aufgrund von Irrtümern kritisiert werden.

Anthros
Beiträge: 150
Registriert: Do 21. Mai 2020, 09:32
Wohnort: NRW

#6 Re: Wer ist der richtige Adressat?

Beitrag von Anthros » Fr 5. Jun 2020, 07:53

JackSparrow hat geschrieben:
Do 4. Jun 2020, 16:47
Laut der Bibel handelt es sich bei unserer Erde um eine allseits von Wasser umgebene flache Scheibe. Für solche Aussagen müssen die Autoren der Bibel kritisiert werden.

Ich wüsste keinen Grund dazu.



JackSparrow hat geschrieben:
Do 4. Jun 2020, 16:47
Laut den Auslegern der Bibel dürfen Bibeltexte, die nicht mehr dem heutigen Stand der Wissenschaft entsprechen, nur noch "geistig" oder "bildlich" verstanden werden. Für solche Aussagen müssen die Ausleger der Bibel kritisiert werden.

Biblische Inhalte sind keine naturwissenschaftlichen.



JackSparrow hat geschrieben:
Do 4. Jun 2020, 16:47
Da Menschen sich irren können und es sich offenbar sowohl bei den Autoren als auch bei den Auslegern um Menschen handelt, dürfen sowohl Autoren als auch Ausleger aufgrund von Irrtümern kritisiert werden.

Für einen unbedarften Menschen ist es ein Rätsel, wie die Texte entstanden sind.
'Meine Taten von gestern sind mein Schicksal von heute!'
Rudolf Steiner, Wiedergeburt und Karma

Anthros
Beiträge: 150
Registriert: Do 21. Mai 2020, 09:32
Wohnort: NRW

#7 Re: Wer ist der richtige Adressat?

Beitrag von Anthros » Fr 5. Jun 2020, 08:08

Ruth hat geschrieben:
Mo 1. Jun 2020, 13:23
Die Bibel ist kein Adressat, weil sie nur ein Buch ist, in dem aus Buchstaben gebildete Wörter eine Botschaft enthalten. Die Bibel selbst kann nicht reagieren, das Buch ist Materie, das bestenfalls als Zubringer einer Botschaft dienen kann.

Wie natürlich bei jedem Buch. Der Autor eines Buchs hat in Worte gefasst, was er meint. Des Lesers Aufgabe ist es, anhand der Wörter herauszulesen, was der Autor meint. Dieser Autor ist der Adressat, das Buch steht dazwischen.

Die Texte der Bibel wollen an diesem Punkt seltsam erscheinen, als ob sie nicht recht von einem Autor in unserem Alltagsverständnis geschrieben seien.
'Meine Taten von gestern sind mein Schicksal von heute!'
Rudolf Steiner, Wiedergeburt und Karma

SilverBullet
Beiträge: 2031
Registriert: Mo 17. Aug 2015, 19:04

#8 Re: Wer ist der richtige Adressat?

Beitrag von SilverBullet » Fr 5. Jun 2020, 09:00

Anthros hat geschrieben:
Fr 5. Jun 2020, 07:53
Biblische Inhalte sind keine naturwissenschaftlichen.
Bei wissenschaftlichen Inhalten gilt (bzw. sollte gelten):
* man kann es (die Behauptungen) nachvollziehen/wiederholen (Reproduzierbarkeit)
* man kann sich darauf verlassen (Sicherheit/Korrektheit)
* man kann es verwenden und darauf aufbauen (Weiterentwicklung)

All diese Möglichkeiten soll es also bei biblischen Texten nicht geben, was gibt es dann dort?

Was für Möglichkeiten gibt es bei Märchen?
* man wird unterhalten/abgelenkt, weil es nichts mit dem normalen Leben zu tun hat ("noch nie aufgetreten" / "ungewöhnliche Akteure")
* man springt in Zusammenhangskombinationen, die ungewohnt sind aber irgendwie auch starke elementare Emotionen bedienen (Angst, Mitleid, Überleben, Erlösung von einer Bedrohung, langes Leben)
* man wird in einem rituellen Rahmen geführt ("Es war einmal...", "..und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute")

Liegen bei Bibelinhalten Märchenmöglichkeiten vor?

JackSparrow
Beiträge: 4742
Registriert: Mi 30. Okt 2013, 13:28

#9 Re: Wer ist der richtige Adressat?

Beitrag von JackSparrow » Fr 5. Jun 2020, 12:08

Anthros hat geschrieben:
Fr 5. Jun 2020, 07:53
Biblische Inhalte sind keine naturwissenschaftlichen.
Die Bibel enthält falsizifierbare Hypothesen. Falsifizierbare Hypothesen sind wissenschaftlich und die Bibel berichtet unter anderem über die Natur, ergo enthält die Bibel naturwissenschaftliche Inhalte.

Für einen unbedarften Menschen ist es ein Rätsel, wie die Texte entstanden sind.
Ist kein Rätsel. Der Autor der Schöpfungsgeschichte kann seinen Text entweder auf Papier aufgeschrieben, als Keilschrift in Ton gemeißelt, von seinem iPad gedruckt oder mit seiner alten IBM-Schreibmaschine getippt haben.

Benutzeravatar
AlTheKingBundy
Beiträge: 4713
Registriert: Sa 8. Jun 2013, 22:04

#10 Re: Wer ist der richtige Adressat?

Beitrag von AlTheKingBundy » Fr 5. Jun 2020, 12:23

JackSparrow hat geschrieben:
Fr 5. Jun 2020, 12:08
Anthros hat geschrieben:
Fr 5. Jun 2020, 07:53
Biblische Inhalte sind keine naturwissenschaftlichen.
Die Bibel enthält falsizifierbare Hypothesen. Falsifizierbare Hypothesen sind wissenschaftlich und die Bibel berichtet unter anderem über die Natur, ergo enthält die Bibel naturwissenschaftliche Inhalte.

Das stimmt so nicht ganz. Viele Bereiche biblischer Texte, auch wenn sie Formulierungen enthalten, die wissenschaftlich verstanden werden können, wenn man sie aus heutiger wissenschaftlicher Sicht liest, waren keineswegs so gemeint. Wenn in der Bibel z.B. von Wald, Wiese und Feldern die Rede ist, meint der antike Autor damit nicht den Kubikmeterpreis Holz oder den genetischen Code von Getreide sondern in den meisten Fällen, den menschlichen Lebensraum und die Lebensgrundlagen des Menschen in der Antike.
Beste Grüße, Al

Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.
(Albert Einstein, 1879-1955)

Antworten