Satipatthana für Christen

Judentum, Islam, Hinduismus, Brahmanismus, Buddhismus,
west-östliche Weisheitslehre
Antworten
Benutzeravatar
erbreich
Beiträge: 658
Registriert: Di 24. Dez 2013, 11:28
Wohnort: uodals welt
Kontaktdaten:

#1 Satipatthana für Christen

Beitrag von erbreich » Di 29. Okt 2019, 16:09

Ist Satipatthana (Pali: Achtsamkeitsvergegenwärtigung) auch etwas für Christen?

Eure Meinung (aber natürlich auch die von Nichtchristen) würde mich interessieren.
Wer sich Zeit nehmen mag, lese doch bitte meinen Text dazu:

Satipatthana für Christen 

Ein guter Text zum Thema findet sich auch auf der Seite relinfo - Kirchen, Sekten, Religionen der Evangelischen Informationsstelle. 
Der Text ist von Georg Schmid aus "Wo das Schweigen beginnt. Wege indischer und christlicher Meditation"; Gütersloh 1984, s. 67-72:

Satipatthana / Achtsamkeit

erbreich
unvollkommenheit
du nimmst sie nicht persönlich
sie ist was sie ist

Punch
Beiträge: 111
Registriert: Do 24. Okt 2019, 09:48

#2 Re: Satipatthana für Christen

Beitrag von Punch » Di 29. Okt 2019, 16:27

In den manch alten christlichen Klöstern, war da die Achtsamkeit nicht ein Teil der Kontamplation? Oder genauer formuliert ein Teil der vita contemplativa.

Benutzeravatar
erbreich
Beiträge: 658
Registriert: Di 24. Dez 2013, 11:28
Wohnort: uodals welt
Kontaktdaten:

#3 Re: Satipatthana für Christen

Beitrag von erbreich » Di 29. Okt 2019, 17:02

Punch hat geschrieben:
Di 29. Okt 2019, 16:27
In den manch alten christlichen Klöstern, war da die Achtsamkeit nicht ein Teil der Kontamplation? Oder genauer formuliert ein Teil der vita contemplativa.
Ja, vor allem in der Praxis des Herzensgebets (oder Jesusgebet). Das stammt aus der Tradition der Wüstenväter (Mystiker der orthodoxen Kirche). Ich habe vor 13 Jahren mal an einem einwöchigen Herzensgebet-Retreat teilgenommen und dabei festgestellt, dass diese Praxis nahe an Satipatthana herankommt. Wir haben dort unter anderem mit dem Buch von Franz Jalics "Kontemplative Exezitien" gearbeitet, ein gutes Buch zum Thema! Hier Franz Jalics - ganz kurz - zum Jesusgebet:



Der Buddhist bezeichnet als Ziel natürlich nicht das Einssein mit Gott (sein Ziel ist als Nirvana, das Leidlose, das Todlose definiert). Wenn Jalics sagt: "Das Einssein mit Gott, das ist das Ich", dann meint er damit das, was oft als das "wahre Selbst" benannt wird (im Unterschied zum irdischen, vergänglichen Ich). Dem Buddhisten geht es ebenso um die Überwindung von Leiden und Tod, nur ist sein Ziel nicht personal definiert, sondern phänomenologisch. Für mich verhält sich das wie die zwei Seiten einer Münze: Eine Seite zeigt Zahl, die andere Kopf, Phänomen und Person, die Münze aber ist dieselbe. 

Die Psychologie unterscheidet den Beziehungs- und den Sachtyp. Vielleicht ist ja der christliche Weg auf den Beziehungstyp zugeschnitten und der buddhistische mehr auf den Sachtyp. Ich persönlich finde es sehr hilfreich und wertvoll, mit beiden Betrachtungsweisen vorwärts gehen zu können, also sowohl auf das buddhistische "Nicht-Ich" wie auch auf das christliche "Ich bin" zu meditieren. 
 
unvollkommenheit
du nimmst sie nicht persönlich
sie ist was sie ist

Antworten