Im Anfang war das Wort

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Helmuth
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#511 Re: Im Anfang war das Wort

Beitrag von Helmuth » Di 30. Jul 2019, 05:52

ProfDrVonUndZu hat geschrieben:
Di 30. Jul 2019, 00:50
Mit dem Hinweis des als Licht verneinten Johannes, soll sich dialektisch ergeben, dass mit dem folgenden Maskulinum das Neutrum Licht gemeint sei ? Sorry, aber der Evangelist hätte dann besser im Neutrum weiter schreiben sollen.
Er hat aber im Maskulin weitergeschrieben, womit der Bezug zum "Wort" erfolgt, als Johannes es in Vers 14 wieder aufgreift. Etwas anderes anzunehmen ist widersinnig.

Das Wort, oder zusammen "Wort Gottes", aus dem alles wurde (vgl. Hebräer 11,3) ist der beherrschende Gedankengang bis hierher. Man kommt zu keinem anderen Schluss.

ProfDrVonUndZu hat geschrieben:
Di 30. Jul 2019, 00:50
Von dem Menschen Jesus ist erst die Rede, wenn der Logos Fleisch wird.
Ich sehe, da stimmen wir prinzipiell überein. Ich habe gezeigt, dass der Vers 14 gleich 5 unterschiedliche Aussagen enthält, die ich in zwei Gruppen unterteile.

Das Wort war Fleisch und wohnte unter uns ist der erste Teil und hat allgemeinen Charakter. Er enthält noch keine Exklusivstellung für Jesus. Freilich hat sich das Wort der Propheten erfüllt, dass der Messias nun ins Leben tritt.

Diese Aussage darf nur nicht zu einer Art Metamorphose des Wortes führen. Derart wurde aus der Lehre der Apostel ein Volksaberglaube. Immer wieder liest man den Satz "Gott wurde Mensch", der ein theologischer Kurzschluss und eine Einengung in seiner Bedeutung ist, Gott verwandle sich nun in Menschenform. Exakt das sagt Johannes nicht. "Das Wort ward" ist eine Erfüllung des Wortes.

Es gibt diese Erfüllung schon mit Anbeginn der Schöpfung: Das Wort: "Lasset uns Menschen machen" wurde erfüllt, indem Gott den Menschen schuf und ihm den Odem einhauchte, sodass er zur lebendigen Seele wurde (1 Mose 2,7). Dieser Vorgang vollzog sich auch an Jesus, denn anders kommt kein Mensch zur Welt.

Der zweite Teil der Aussagen bezieht sich sehr wohl exklusiv auf ihn, dass die Jünger seine Herrlichkeit als Sohn Gottes sahen, mit der insbesondere die Einzigartigkeit seiner Zeugung angesporchen wird und mit ihm Gnade und Wahrheit gekommen ist. Joahnnes lenkt nun auf das Ziel.
Der Herr steht zu mir, deshalb fürchte ich mich nicht. Was kann ein Mensch mir anhaben?
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AlTheKingBundy
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#512 Re: Im Anfang war das Wort

Beitrag von AlTheKingBundy » Di 30. Jul 2019, 08:08

Helmuth hat geschrieben:
Di 30. Jul 2019, 05:52
Das Wort war Fleisch und wohnte unter uns ist der erste Teil und hat allgemeinen Charakter. Er enthält noch keine Exklusivstellung für Jesus. Freilich hat sich das Wort der Propheten erfüllt, dass der Messias nun ins Leben tritt.

Aber natürlich ist hier Jesus gemeint, alles andere ist Unfug:

Joh 1,14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Wir = auch Johannes, das kann niemand im AT gewesen sein. "Eingeborenen vom Vater" das ist eine exklusive Bezeichnung für Jesus. Du versuchst immer krampfhaft etwas mit einzubeziehen, was nicht gemeint ist.

Und unmttelbar weiter:

Joh 1,15 Johannes zeugt von ihm

Klarer geht es nicht.
Beste Grüße, Al

Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.
(Albert Einstein, 1879-1955)

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Travis
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#513 Re: Im Anfang war das Wort

Beitrag von Travis » Di 30. Jul 2019, 08:25

AlTheKingBundy hat geschrieben:
Di 30. Jul 2019, 08:08
Aber natürlich ist hier Jesus gemeint, alles andere ist Unfug:
Niemand von den damaligen Lesern hätte Johannes 1 so zerlegt wie es nötig ist, um Jesus nicht als "Wort" oder "Licht" ansehen zu können, zumal er im Laufe des NT auch genauso genannt wird bzw. sich selber so nennt. Man folgt dem Kontext und landet bei Jesus.

Darüber springt einen die Auseinandersetzung um das aramäische "Memra" geradezu an. Johannes arbeitet sich an der jüdischen Theologie quasi ab und landet am Ende eben bei Jesus Christus, welcher alle Charakteristika des memra auf sich vereint.
AlTheKingBundy hat geschrieben:
Di 30. Jul 2019, 08:08
Klarer geht es nicht.
Man ahnt wie viel Unklarheit man in die einfachsten Abschnitte bringen kann, so man es darauf anlegt.
Ich weiß, dass ich nicht einmal weiß das ich nichts weiß.

Helmuth
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#514 Re: Im Anfang war das Wort

Beitrag von Helmuth » Di 30. Jul 2019, 13:33

AlTheKingBundy hat geschrieben:
Di 30. Jul 2019, 08:08
Aber natürlich ist hier Jesus gemeint, alles andere ist Unfug:
Ich hatte auch nichts anderes behauptet, bloß werden hier mehrere Aussagen getätigt. 5 Aussagen, alle auf Jesus bezogen was sonst? Die erste Aussage ist dennoch neben personenbezogen auch allgemein. Ich mache ein anderes Beispiel. Und es wurde 5 Uhr und wir trafen uns gemeinsam. Es wird jeden Tag 5 Uhr, aber an einem bestimmten Tag, und das gilt nur für den einen Tag, trafen wir uns dann gemeinsam. Wird es damit klarer?

"Es ward Fleisch" benutzt Johannes als sprachlichen Term einer Erfüllung. Warum soll er sich keiner spezifischen Rede bedienen? Nur darf man sie nicht mystifizieren. Paulus hatte auch seine Weise sich auszudrücken und benutze dazu wieder seine eingelernten Phrasen, wie z.B. diese:
Galater 4,4 hat geschrieben: Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter dem Gesetz,
Was soll ich hier z.B. wieder missverstehen? ist die Zeit ein Gefäß, das sich anfüllt wie Wasser? Und war da der alte Mann mit Bart, der Jesus mit dem Himmel-Erde-ICE zu uns schickte?

Wieder geht es um die Erfüllung, um was sonst? Die Sendung geschah so, dass er im M;utterleib der Maria heranwuchs. So geht es bei Joahnnes auch nicht um die Fleischproduktion genannt "Gott" sondern um diese Erfüllungszusage. Seine Aussage ist sinngemäß gleich nur anderes formuliert. Verklärt hat dies erst die Theologie, dass sie wie Aberglaube klingt.

Sprache hat Tücken, wer beherrscht sie. ;)

Es ist von unschätzbarem Wert einen Text frei von einstudierten Paradigmen bzw. vorgegebenen theologischen Brillen lesen zu können. Das können offensichtlich nicht alle. Wenn man einmal mit der Trinitaritätsdoktrine zugehämmert ist, kommst du kaum mehr raus. Du benötigst dann geistliche Befreiung. Der Thread soll dazu dienen. Nicht alle werden das annehmen, das ist mir klar, aber wer sein Herz nicht verstockt, beginnt darüber mehr nachzudenken.
Zuletzt geändert von Helmuth am Di 30. Jul 2019, 14:06, insgesamt 1-mal geändert.
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JackSparrow
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#515 Re: Im Anfang war das Wort

Beitrag von JackSparrow » Di 30. Jul 2019, 13:54

Otto hat geschrieben:
Mo 29. Jul 2019, 22:09
Das kann nicht sein, weil im Vers 8, distanziert sich Johannes der Täufer vom "Licht".
In Satz 8 behauptet der Autor, dass Johannes gekommen sei um ein Licht "zu bezeugen", das aber nicht mit Johannes identisch sei.

Im Vers 10-12 wechselt der Evangelist das „Geschlecht“ des „Lichtes“ von Neutrum zu Maskulin
In Satz 10-12 spricht der Autor selbstverständlich über den gleichen Johannes wie in den vorherigen Sätzen und braucht daher keinerlei grammatikalische Geschlechter zu wechseln.

Otto
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#516 Re: Im Anfang war das Wort

Beitrag von Otto » Di 30. Jul 2019, 19:05

JackSparrow hat geschrieben:In Satz 8 behauptet der Autor, dass Johannes gekommen sei um ein Licht "zu bezeugen", das aber nicht mit Johannes identisch sei.
Hast Recht, Schreibfehler von mir.
JackSparrow hat geschrieben:In Satz 10-12 spricht der Autor selbstverständlich über den gleichen Johannes wie in den vorherigen Sätzen und braucht daher keinerlei grammatikalische Geschlechter zu wechseln.
Das kann nicht stimmen.
Joh.1,10 hat geschrieben: Er war in der Welt, aber die Welt, die durch ihn geschaffen war, erkannte ihn nicht.
Wurde die Welt durch Joh. den Täufer geschaffen? Nein.
Joh.1,12-13 hat geschrieben:All denen jedoch, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. 13 Sie wurden es weder aufgrund ihrer Abstammung noch durch menschliches Wollen, noch durch den Entschluss eines Mannes; sie sind aus Gott geboren worden.
Gab der Glaube an Joh.d.T. und an seinen Namen, anderen das Recht wiedergeborene Kinder Gottes zu werden? Nein.
LGrüße von Otto

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#517 Re: Im Anfang war das Wort

Beitrag von Otto » Mo 5. Aug 2019, 20:07

ProfDrVonUndZu hat geschrieben:Mit dem Hinweis des als Licht verneinten Johannes, soll sich dialektisch ergeben, dass mit dem folgenden Maskulinum das Neutrum Licht gemeint sei ?
Meine Antwort war eher auf der Frage von Jack zu geschnitten..
ProfDrVonUndZu hat geschrieben:Rein syntaktisch macht es aber nur Sinn, wenn hier weiterhin der Logos gemeint ist.
„Logos“, „Licht“, „Weisheit“, „Menschensohn“, „Emanuel“, „starker Gott“, „Lahm Gottes“, “König der Könige“, „Sohn Gottes“, „....“.... sind alle Namenstitel ein und der selben Person. Im Joh. Ev. Kapitel 1 ist “Logos“ gleich „Licht“, gleich Jesus.Und ja, es ist hier weiterhin der Logos gemeint, er wird aber als „Licht“ angesprochen.
LGrüße von Otto

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Travis
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#518 Re: Im Anfang war das Wort

Beitrag von Travis » Mi 7. Aug 2019, 07:38

Otto hat geschrieben:
Mo 5. Aug 2019, 20:07
„Logos“, „Licht“, „Weisheit“, „Menschensohn“, „Emanuel“, „starker Gott“, „Lahm Gottes“, “König der Könige“, „Sohn Gottes“, „....“.... sind alle Namenstitel ein und der selben Person. Im Joh. Ev. Kapitel 1 ist “Logos“ gleich „Licht“, gleich Jesus.Und ja, es ist hier weiterhin der Logos gemeint, er wird aber als „Licht“ angesprochen.
Eine andere Deutung gibt es auch nicht, da es sich aus dem fortlaufenden Lesen der jeweiligen Abschnitte ergibt. Wobei ich "Lahm" durch "Lamm" ersetzen würde.

Interessant bei Joh 1 ist die dort stattfindende Konfrontation mit der jüdischen Theologie. Johannes nimmt die Lehre über das aramäische "memra" Stück für Stück auseinander und man stellt erstaunt fest, dass Jesus alle Bestandteile dieser Theologie erfüllt. Jesus Christus ist das "Memra Gottes", was dem Johannes unter den Schriftgelehrten nicht viele Freunde gebracht aber einige Jesusnachfolger haben dürfte.
Ich weiß, dass ich nicht einmal weiß das ich nichts weiß.

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#519 Re: Im Anfang war das Wort

Beitrag von Helmuth » Mi 7. Aug 2019, 09:04

Otto hat geschrieben:
Mo 5. Aug 2019, 20:07
„Logos“, „Licht“, „Weisheit“, „Menschensohn“, „Emanuel“, „starker Gott“, „Lahm Gottes“, “König der Könige“, „Sohn Gottes“, „....“.... sind alle Namenstitel ein und der selben Person.
Nicht alles ist ein Titel, "logos" jedenfalls nicht, eine solche Anrede findet man nirgendwo, sondern es ist das griech. Wort für "Wort", das, wenn es Gott zugeordnet ist, der Ursprung aller Dinge ist (Joh. 1,1-3) und die Wesensart, wie Gott mit uns kommuniziert, durch das "Wort Gottes". Derart erging es zu Beginn z.B. an Johannes:

Lukas 3,2 hat geschrieben: Unter dem Hohenpriester Hannas und Kaiphas, geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste.
Es empfiehlt sich Gottes Wort geistlich anstelle theologisch lesen zu lernen, denn so redete Gott immer schon mit uns. Er redet nicht mit Fruchtbaums "memra-Theologie" sondern durch sein Wort. Man muss daraus keinen intellektuellen Diskurs machen. Lesen und aufnehmen, wie es auch Johannes 1,12 sagt.

Jesus kommunizerte mit uns gleichfalls durch dieses Wort Gottes, das an ihn ergangen ist, und er war ja noch weit mehr, das sollte ja klar sein. Man kann das aber nicht gleichsetzen mit dem Menschen Jesus, denn so beginnt der Prozess jeder Götzenbildung.

Otto hat geschrieben:
Mo 5. Aug 2019, 20:07
Im Joh. Ev. Kapitel 1 ist “Logos“ gleich „Licht“, gleich Jesus.Und ja, es ist hier weiterhin der Logos gemeint, er wird aber als „Licht“ angesprochen.
Mit Theologie kann jeder Bezug hergestellt werden, der gewünscht ist, auch dass Geist sich in Fleisch verwandelt, oder in eine Kuh, dann haben wir die hinduistisch theologische Jesusinterpretation. Man muss nur Theologe aus dem Wort Gottes machen, anstelle durch den Heiligen Geist auf das zu hören, was er seinerzeit Johnnes sagen wollte.

Das Hineininterpretieren von Worten aus anderen Aussagen und sich so ein theologisches Bild zu konstruieren ist der Weg zum goldenen Kalb. Dazu wurde dann auch "Gott" gesagt.

Travis hat geschrieben:
Mi 7. Aug 2019, 07:38
Eine andere Deutung gibt es auch nicht, da es sich aus dem fortlaufenden Lesen der jeweiligen Abschnitte ergibt.
Doch, sie gibt es, und sie wird hier gerade in diesem Thread dargestellt, exakt durch fortlaufendes Lesen wie es hier Vers für Vers erfolgt, nur eben ohne vorgesetztes Dogma. Man tut gut daran, sich damit mehr auseinanderzusetzen. Theologie kommt hiermit auf den Prüfstand. Bislang konntest du z.B. kein einziges Argument widerlegen.
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#520 Re: Im Anfang war das Wort

Beitrag von Otto » Mi 7. Aug 2019, 13:51

Travis hat geschrieben:Eine andere Deutung gibt es auch nicht, da es sich aus dem fortlaufenden Lesen der jeweiligen Abschnitte ergibt. Wobei ich "Lahm" durch "Lamm" ersetzen würde.
Ja, du hast recht, Lahm war Jesus auf keinen Fall. Übrigens, ich komme gerade vom Optiker, habe mir andere Lesebrille bestellt. :mrgreen:
Travis hat geschrieben:Johannes nimmt die Lehre über das aramäische "memra" […]
Und die wäre?
LGrüße von Otto

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