Erinnerst Du dich auch daran, was der Herr Jesus Christus über die Heuchelei der Schriftgelehrten sagte? “
Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Heuchler! Ihr versperrt anderen den Zugang zu Gottes himmlischem Reich. Denn ihr selbst geht nicht hinein, und die hineinwollen, hindert ihr auch noch daran.â€willst Du zu diesen Heuchlern gehören (Jesus nennt sie Schlangenbrut und vergleicht sie mit weiß getünchten Grabstätten, die zwar von außen schön erscheinen, während ihr Inneres verwest, im Vergleich dazu verwende ich eine sehr diplomatische Sprache

) oder zu den wahren Jüngern, die das wohltuende Aroma Christi verströmen? Dann überlege Dir mal, was die Kennzeichen wahrer Jüngerschaft sind. Ein kleiner Tipp: die Menge der auswendig gelernten Bibelzitate oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten christlichen Sekte spielt keine wirklich entscheidende Rolle. Außerdem ist es ein sehr fragwürdiger Umgang mit der heiligen Schrift (oder besser gesagt ihr Missbrauch), wenn Du sie immer wieder als Waffe benutzt. Ich bin auch nicht dein Feind, den Du mit der Bibel attackieren oder massakrieren musst. Die Bibel ist ein Weisheitstext mit sakraler Würde und sollte anders gelesen und verwendet werden, meiner Ansicht nach. Mit einer gewissen
Behutsamkeit, auf eine hilfreiche und heilsame Weise.
Sagt Dir Seelsorge (lat. cura animarum) etwas? Ich sorge mich um die Seele meiner Mitmenschen und will ihnen nicht schaden. Religion und Theologie muss das immer im Blickfeld haben, insbesondere wenn sie sich auf Jesus den Heiler und Heiland beruft. Christus medicus („
Christus der Arzt“) ist ein christlicher Titel für Jesus Christus ( „
Ich bin der Herr, dein Arzt“ Ex 15,26). Ignatius von Antiochien (†ca. 117) sagte: „
Einen Arzt gibt es, Jesus Christus, unseren Herrn.“
Lukas 18:11-14 an Deine ganz persönliche Adresse
Ich weiß, dass Gott ein liebevolles Wesen ist und ich von ihm geliebt werde. Meine Identität als Kind Gottes ist nicht abhängig von der Zustimmung oder Ablehnung anderer Menschen.
„Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR. Denn wie der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ (Jesaja 55,8.9)
Das gilt selbstverständlich auch im Hinblick auf alle von mir geäußerten Gedanken. Wir sind alle nur menschliche Wesen, die aber versuchen können der Wahrheit näher zu kommen. Noch besser funktioniert das, wenn die Kirche als Communio und pilgerndes und wanderndes Volk Israel gemeinsam auf dem Weg ist. Innerhalb dieser spirituellen Gemeinschaft, ihrem Kraftfeld und teilhabend an den gesammelten Erfahrungen ihrer mehrtausendjährigen Weisheitslehre, sind die Erfolgschancen deutlich höher.
Der Ausdruck wanderndes Gottesvolk geht ursprünglich auf den Kirchenvater Augustinus zurück. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verwendet die Theologie diesen Begriff, um ein konstitutives Moment im Selbstverständnis des biblischen Volkes Israel in wesentlichen Stadien seiner Geschichte zu bezeichnen. Israel erfährt im Alten Testament sich als von Gott erwählt auf dem Weg zu einem verheißenen Ziel. Dieses Ziel findet vielfache Gefährdungen, aber ungeachtet mancher Irrwege, Entbehrungen und Rückschläge erreicht die Wanderung mit Gottes Hilfe ihr Ziel.
Wikipedia: Wanderndes Gottesvolk
Ich kann offen zugeben, dass ich noch auf dem Weg und noch nicht am Ziel angekommen bin und auf viele Fragen keine Antwort geben kann. Doch ich folge Jesus nach, mit all meinen Fragen, mit all meinem Nichtwissen, mit all meiner menschlichen Begrenztheit und dabei wachse und lerne ich immer mehr (meiner Erfahrung nach beantworten sich auf diese Weise die meisten Fragen von selbst

). Rilke hat das mal so schön gesagt in seinen Briefen an einen jungen Dichter:
Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein. Doch am Anfang muss man sich erst mal auf den Weg machen. Die Jünger Jesu/Apostel waren nicht sofort vollkommen erleuchtet (eher sogar ziemlich unerleuchtet, schwer von Begriff und - seien wir ehrlich - ziemliche Waschlappen), aber sie gingen den Weg und gelangten zu einem immer tieferen und tieferen Verständnis. Nicht durch abstrakte intellektuelle Reflexion, sondern durch die gelebte Jesus-Nachfolge. Du und jeder Mensch ist herzlich eingeladen mit mir diesen Weg zu gehen.