Wie der Karneval katholisch wurde ...

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Munro
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#1 Wie der Karneval katholisch wurde ...

Beitrag von Munro » So 26. Jan 2020, 14:05

Wie der Karneval  katholisch wurde ...

Laut einer verbreiteten Meining ist die Fasnacht etwas  Katholisches.
Das stimmt nur sehr begrenzt.

 Fasnacht  und Karneval  haben viele  Ursprünge: germanisch-heidnisch, römisch-heidnisch, Protest gegen die Franzosen-Besetzung unter Napoleon, Protest gegen die Preußen und ihr Militär usw usw ...

Und nicht zuletzt auch Protest gegen die Obrigkeit, sowohl die weltliche wie die geistliche.
Die (katholische) Kirche hat die Fasnacht  teils widerwillig    geduldet, teils auch verboten.
Aber die Fasnacht hat sich um jene Verbote nicht gekümmert.

Als dann die Reformation kam, sagten die Reformatoren so in etwa: "Hört mal Leute! Wir sind nun protestantisch! Da braucht ihr nun nicht mehr gegen die Kirche zu protestieren! Wir machen nun alles besser! Also seid brave Protestanten und protestiert nicht gegen eure eigene Kirche! Hiermit ist die Fasnacht abgeschafft!"

Und dann kamen  auch noch sehr strenge Reformatoren  und sagten: "Und außerdem ist die Fasnacht heidnisch!  Heidnisch und katholisch - was ja auf das Gleiche hinausläuft! Und wer heidnische Feste feiert, der kommt in die Hölle, wie ihr ja wisst! Und das wollen wir doch alle nicht, oder? Also - hört auf mit dieser heidnischen Fasnacht!"

Und so kam es dann:

In katholischen  Gegenden wurde weiter Fasnacht gefeiert, obwohl die Pfarrer es verboten hatten.
Und in evangelischen Gegenden wurde Fasnacht  nicht mehr gefeiert, weil die Pfarrer es verboten hatten.

Inzwischen aber hat sich einiges geändert.
Die katholische Kirche ist nicht mehr gegen die Fasnacht - es gibt nun sogar Narrenmessen.
Und auch in evangelischen Gebieten   darf Fasnacht gefeiert werden.

Aber noch hält sich die Idee, Fasnacht und Karneval seien "irgendwie katholisch".
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Die Sanftmütigen werden die Erde besitzen, aber nicht die Schürfrechte.

piscator
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#2 Re: Wie der Karneval kaholisch wurde ...

Beitrag von piscator » So 26. Jan 2020, 16:53

Meine (Ex-) Ehefrau ist katholisch, meine Freundlin neuapostlisch und ich bin protestantisch. Wir alle drei können mit Fasching und Karneval nichts anfangen, was natürlich nicht bedeutet, dass wir etwas dagegen hätten, nein, es interssiert uns nur nicht.

Hier am Ort war heute ein großes Narrentreffen mit großem Unzug, Straßensperrung, Umleitungen und dem ganzen Trara. Ich bin ehrlich, ich kuck mir das nicht mal an, interessiert mich absolut nicht.

Habe vor Jahren mal in Stuttgart den Umzug des CSD angeschaut, meine schwulen Kumpels hatten mich da mitgeschleppt. Okay, der Umzug selbst hat mich eigentlich nicht interessiert, ich habe dann in einer einschlägigen Kneipe- so im Spaß versucht - ein nettes lesbisches Mädel von den Vorzügen des kleinen Piscators zu überzeugen, was mir natürlich nicht gelang, uns beiden aber jede Menge Spaß machte. :whistling:

 
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Munro
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#3 Re: Wie der Karneval kaholisch wurde ...

Beitrag von Munro » Mo 27. Jan 2020, 07:48

piscator hat geschrieben:
So 26. Jan 2020, 16:53
Meine (Ex-) Ehefrau ist katholisch, meine Freundlin neuapostlisch und ich bin protestantisch. Wir alle drei können mit Fasching und Karneval nichts anfangen, was natürlich nicht bedeutet, dass wir etwas dagegen hätten, nein, es interssiert uns nur nicht.

Hier am Ort war heute ein großes Narrentreffen mit großem Unzug, Straßensperrung, Umleitungen und dem ganzen Trara. Ich bin ehrlich, ich kuck mir das nicht mal an, interessiert mich absolut nicht.




Der Großraum Stuttgart ist sicher auch nicht das beste Pflaster für die Fasnacht.  :)
 
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Malva
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#4 Re: Wie der Karneval kaholisch wurde ...

Beitrag von Malva » Di 28. Jan 2020, 13:33

Munro hat geschrieben:
So 26. Jan 2020, 14:05

Inzwischen aber hat sich einiges geändert.
Die katholische Kirche ist nicht mehr gegen die Fasnacht - es gibt nun sogar Narrenmessen.
Und auch in evangelischen Gebieten   darf Fasnacht gefeiert werden.

Ja, und der Priester der katholischen Kirche im Wohnort meines Bruders, stockkatholisch in Oberschwaben, lässt jedes Jahr an Fasnacht die Sau so richtig raus. Das nenne ich perfekte Anpassung an weltliche Traditionen. Es sei ihm gegönnt...
Glückselig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen, und wenn sie euch ausschließen und schmähen und euren Namen als einen lasterhaften verwerfen um des Menschensohnes willen.
Luk 6:22

Ziska
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#5 Re: Wie der Karneval kaholisch wurde ...

Beitrag von Ziska » Di 28. Jan 2020, 16:09

Malva hat geschrieben:
Di 28. Jan 2020, 13:33
Munro hat geschrieben:
So 26. Jan 2020, 14:05

Inzwischen aber hat sich einiges geändert.
Die katholische Kirche ist nicht mehr gegen die Fasnacht - es gibt nun sogar Narrenmessen.
Und auch in evangelischen Gebieten   darf Fasnacht gefeiert werden.
Ja, und der Priester der katholischen Kirche im Wohnort meines Bruders, stockkatholisch in Oberschwaben, lässt jedes Jahr an Fasnacht die Sau so richtig raus. Das nenne ich perfekte Anpassung an weltliche Traditionen. Es sei ihm gegönnt...
Wie äußert sich das?  Was macht er?

piscator
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#6 Re: Wie der Karneval kaholisch wurde ...

Beitrag von piscator » Mi 29. Jan 2020, 13:17

Wäre ich dieser Priester, würde ich mich als Zeuge Johovas verkleiden und zum nächsten Baumarkt in die Türenmusterabteilung gehen. :hypocrite:

Okay, Scherz beiseite. Warum sollen Priester, Rabbis oder Imame nicht auch mal richtig abfeiern? "Die Sau" raus lassen bedeutet ja nicht automatisch, dass man etwas
verwerfliches tut. Ab und zu muss man "einfach mal über die Stränge schlagen", das dient u.a. der geistigen Gesundheit. 

Gerade in stark religiös geprägten Löndern bzw. Gesellschaften war Karneval ein Ventil für die Menschen, mal Druck abzulassen. Selbst die Amischen in den Staaten kennen das so genannte "Rumspinga", bei dem junge Leute mal ausbrechen können

Da ist jeder anders. Ich lernte vor vielen Jahren beruflich ein junges Mädchern kennen, hübsch, intelligent und lebensfroh, die das Pech hatte, in einer sehr strengen Sekte aufzuwachsen. Sie war von ihrem Glauben überzeugt, litt aber sehr unter der Strenge ihrer Familie. Das fing bei der Haartracht und Kleidung an, ging über den vorgeschrebenen Bekanntenkreis und endete später bei einer Zwangsheirat.

Um sich abzuregaieren, schlich sie sich gelegentlich nachts aus dem Haus und ging mit ihrem Auto auf die nahe Autobahn, um sich auszutoben.


 
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Munro
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#7 Re: Wie der Karneval katholisch wurde ...

Beitrag von Munro » Mi 29. Jan 2020, 13:38

Am Montag war ich in einem Gasthaus hier in der Region, das schon fasnächtlich geschmückt war.
Gibt es bei euch auch schon Anzeichen der kommenden Fasnacht?
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Malva
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#8 Re: Wie der Karneval katholisch wurde ...

Beitrag von Malva » Mi 29. Jan 2020, 14:15

Ziska hat geschrieben:
Di 28. Jan 2020, 16:09
Wie äußert sich das?  Was macht er?

In erster Linie darin, dass keine Fasnetsveranstaltung am fraglichen WE, Rosenmontag und Fasnachtsdienstag ohne ihn stattfindet und er was seinen Durst angeht sehr unbeherrscht ist. Und damit meine ich nicht die alkoholfreien Getränke. Dass er nach mundartlicher Aussage der Einheimischen "danzd wia da Lomb am Stecka", sei ihm gegönnt. Zumindest habe ich dazu noch von keine weiteren zweifelhaften Verhaltensweisen gehört.

Christlicher Glaube und Fasnacht gehören nicht zusammen. Nie.
Glückselig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen, und wenn sie euch ausschließen und schmähen und euren Namen als einen lasterhaften verwerfen um des Menschensohnes willen.
Luk 6:22

Munro
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#9 Re: Wie der Karneval katholisch wurde ...

Beitrag von Munro » Mi 29. Jan 2020, 17:29

Malva hat geschrieben:
Mi 29. Jan 2020, 14:15

Christlicher Glaube und Fasnacht gehören nicht zusammen. Nie.

Da möchte ich in aller Bescheidenheit widersprechen.
Christentum und Fasnacht widersprechen sich nicht.
Das hat nun sogar die katholischste aller Kirchen eingesehen.

:engel:
Jean Paul Getty:
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#10 Re: Wie der Karneval katholisch wurde ...

Beitrag von Malva » Do 30. Jan 2020, 12:19

Munro hat geschrieben:
Mi 29. Jan 2020, 17:29
Da möchte ich in aller Bescheidenheit widersprechen.
Christentum und Fasnacht widersprechen sich nicht.
Das hat nun sogar die katholischste aller Kirchen eingesehen.

Die katholischste aller Kirchen hat die alleinige "Wahrheit"? Frag dich doch mal, warum ausgerechnet in katholischen Gegenden der Karneval so hochgehalten und, siehe z.B. Brasilien, so ausschweifend gefeiert wird wird. Na? Ich wiederhole den Satz von oben nicht, den mit der Sau.

Meinst du als Rechtfertigung z.B. diese Aussage von Erzbischof Joachim Kardinal Meisner:
„Karneval ist in der Kirche geboren und Karneval bleibt nur Karneval, wenn er mit dem Leben der Kirche fest verbunden bleibt.“
"Karneval ist in der Kirche Christi geboren ... Von seinem Wesen her
ist der Karneval mit dem Evangelium blutsverwandt"
Nun ja, diese Aussagen lassen tief blicken, genau so wie das besprengen der Wagen des Rosenmontagszugs mit Weihwasser.

:shocked:

Aber gut, wer fasten muss, muss natürlich vorher noch mal so richtig auf die Pauke hauen. So bedingt der eine Fehler den anderen. 
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