Schande für den Westen?

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sven23
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#1 Schande für den Westen?

Beitrag von sven23 » Di 21. Jun 2022, 07:24

Julian Assange soll nach einer Entscheidung der britischen Regierung an die USA ausgeliefert werden. Ihm drohen dort bis zu 175 Jahren Haft.

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Quelle

Juristisch mag das alles den Regularien entsprechen, aber wäre das nicht ein verheerendes Signal für die Glaubwürdigkeit des Westens? Wir haben alle noch die Kriegsverbrechen der Russen in Butscha vor Augen. Die Amerikaner und auch die Briten, die sich an dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak beteiligt haben, sollten doch froh darüber sein, wenn Kriegsverbrechen publik gemacht werden. Nur so lassen sie sich aufklären und evtl. können die Verantwortlichen bestraft werden.
Statt dessen verfolgt man jene, die die Vebrechen aufgedeckt, bzw. publik gemacht haben.

https://www.berliner-zeitung.de/politik ... -li.238439

 
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oTp
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#2 Schande für den Westen?

Beitrag von oTp » Do 23. Jun 2022, 09:27

Ich finde es gut, wenn aufgedeckt wird, was Regierungen Schlimmes getan haben. Was bisher im Nahen Osten geschah, ist schlimm genug.
Der Westen hat ja keine völlig saubere Weste. Und was vorgegaukelt und vorgelogen wird, muss aufgedeckt werden, wie falsch und verderblich das war.

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sven23
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#3 Schande für den Westen?

Beitrag von sven23 » Do 23. Jun 2022, 12:40

oTp hat geschrieben:
Do 23. Jun 2022, 09:27
Ich finde es gut, wenn aufgedeckt wird, was Regierungen Schlimmes getan haben. Was bisher im Nahen Osten geschah, ist schlimm genug.
Der Westen hat ja keine völlig saubere Weste. Und was vorgegaukelt und vorgelogen wird, muss aufgedeckt werden, wie falsch und verderblich das war.
Aufgedeckt wurden die Kriegsverbrechen ja, zumindest teilweise. Aber genau das werfen die Amerikaner Assange ja vor. Man muss den Typen ja nicht mögen, aber darum geht es nicht. Es geht um die Freiheit der Berichterstattung und die wird zu unterbinden versucht, indem man Kriegsverbrechen zur "nationalen Sicherheitsfrage" deklariert. Unter diesem Deckmantel läßt sich natürlich so gut wie jede Berichterstattung unterbinden.
Zudem leuchtet mir nicht ein, warum bereits Geschehenes die nationale Sicherheit gefährden sollte. Anders würde es aussehen, wenn man bevorstehende Operationen verraten würde.
Ohne Manning und Wikileaks wüßten wir vielleicht bis heute nichts von einigen Kriegsverbrechen.
Und manche Kriegsverbrechen, die bekannt wurde, sind bis heute ungesühnt.

https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/usa/id_53471582/irak-kriegsverbrechen-der-us-armee-bleibt-ungesuehnt.html



Gerade die Briten, die Assange an die USA ausliefern wollen, haben sich ja selbst an diesem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg beteiligt.

Die Frage wäre also: verliert der Westen nicht seine Glaubwürdigkeit, wenn man einerseits (zu Recht) die Kriegsverbrechen der Russen anklagt und Aufkärung fordert, andererseits aber die Berichterstattung über die eigenen Kriegsverbrechen zu unterbinden versucht und Journalisten kriminalisiert?


 
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sven23
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#4 Schande für den Westen?

Beitrag von sven23 » Di 28. Jun 2022, 08:10

Apropos Journalismus. Dass es in Russland keine freie Presse mehr gibt, ist allseits bekannt. Aber wer hätte vermutet, dass es so etwas wie einen Maulkorb für Journalisten auch in der Schweiz gibt, wenn es um Recherchen gegen schweizer Banken geht? Unter dem Deckmantel des Bankgeheimnisses machen sich schweizer Journalisten strafbar, wenn sie dies tun. So waren sie also beim Bankenskandal der "Credit Suisse" auf die Recherchen ausländischer Kollegen angewiesen. Für ein demokratisches Land eigentlich ein unhaltbarer Zustand.

https://www.tagesschau.de/ausland/europ ... s-101.html

Wie man das schweizer Bankgeheimnis knacken kann, haben die Amerikaner vorgemacht. Daran hätte sich auch die EU ein Beispiel nehmen können. Die angebliche Ohnmacht der Politik ist oft selbst verschuldet.
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