Von den Pflichten

Politik und Weltgeschehen
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sven23
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#1 Von den Pflichten

Beitrag von sven23 » Sa 10. Jul 2021, 09:37

Richard David Precht hat ein neues Buch vorgelegt: Von der Pflicht

Precht spielt damit auf Cicero und dessen Spätwerk "De officiis" an. Cicero wiederum griff damit Überlegungen griechischer Philosphen auf, die sich mit der Frage beschäftigten, welche Pflichten ein Staatslenker, aber auch der Bürger gegenüber dem Staat bzw. der Gemeinschaft hat.

An diesem Punkt spannt Precht einen Bogen zu der Querdenkerbewegung. Er sieht hier ein grundlegendes Mißverständnis, bzw. Schieflage im Verhältnis Bürger-Staat.
Manche betrachten den Staat ja als eine Art Selbstbedienungsladen (sicher auch angeleitet durch schlechte Vorbilder der politischen und wirtschaftlichen Eliten), oder als eine Art Dienstleister, von dem man Rechte und Ansprüche einfordert, aber von Pflichten nichts wissen will.
In der Querdenkerbewegung sieht Precht auch einen Mangel an Empathie. Da Empathiemangel in der Gesellschaft im allgemeinen negativ bewertet wird, soll dieser Empathiemangel durch Rebellion gegen den Staat kaschiert werden.

Precht ist der Meinung, dass die Pflicht keine antiquierter Begriff ist, sondern auch in modernen Gesellschaften seine Berechtigung hat. Viele Bürger fühlen sich ja auch gegenüber der Gesellschaft verpflichtet, indem sie ehrenamtliche Tätigkeiten ausführen.
Er schlägt sogar ein freiwilliges soziales Jahr jeweils vor und nach dem Berufsleben vor, was seiner Meinung nach den gesellschaftlichen Zusammenhalt förden würde.
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

Lena
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#2 Von den Pflichten

Beitrag von Lena » Di 10. Aug 2021, 19:24

Finde den Talk gut. Man kann nicht nur fordern und nix bringen. 

Sternstunde Philosophie - Richard David Precht: Ohne Pflicht kein Recht! - Play SRF

Auf die Frage am Ende der Sendung, welcher Pflicht er sich gerne entziehen würde, gab er zur Antwort,
das ihm grad keine in den Sinn käme. Aber von Zwängen.
 
Der Zwang an dem ich persönlich am meisten leide, ist der, sich technisch so weit am laufenden
zu halten, das man jeweils in der Lage ist, sein Smartphone zu bedienen. Ich wäre froh in einer
Welt zu leben, in der ich nicht die ganze Zeit mit Technik mich beschäftigen zu müssen, um noch
in der Lage zu sein, halbwegs Anschluss an die Gegenwart zu halten. Aber ich weiss das ich
diesem Zwang nicht entkommen kann und den erlebe ich übrigens rein subjektiv und persönlich
als eine viel stärkere Diktatur. 
Kannst du mir helfen, dich richtig zu verstehen?
Erbreich 

Punch
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#3 Von den Pflichten

Beitrag von Punch » Di 10. Aug 2021, 19:35

sven23 hat geschrieben:
Sa 10. Jul 2021, 09:37
Richard David Precht hat ein neues Buch vorgelegt: Von der Pflicht



Ist dieser Mann für dich ein Philosoph? 

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sven23
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#4 Von den Pflichten

Beitrag von sven23 » Sa 14. Aug 2021, 08:19

Punch hat geschrieben:
Di 10. Aug 2021, 19:35
sven23 hat geschrieben:
Sa 10. Jul 2021, 09:37
Richard David Precht hat ein neues Buch vorgelegt: Von der Pflicht

Ist dieser Mann für dich ein Philosoph? 
Zumindest hat er Philosophie studiert. ;)
Ich bin jetzt kein intimer Kenner seiner Philosophie. Sicher hat er keine grundlegend neue Philosophie begründet, was zugegeben einigermaßen schwer ist. Ist nicht fast alles schon mal so ähnlich gedacht und geschrieben worden?
Precht versteht sich wohl mehr als philosophischer Begleiter politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. Er tut dies in einer leicht verständlichen Sprache, was wohl auch einen Teil seines publizistischen Erfolges ausmacht.
Wie im obigen Interview gesagt wird, ist er Kommunitarist (nicht zu verwechseln mit Kommunist), was sicher auch seiner Sozialisation in einem links-liberalen Elternhaus geschuldet ist.
Nebenbei: Die enorme private und freiwilllige Hilfsbesreichtschaft in der Flutkatastrophe zeigt doch, dass dieses Potential in der Zivilgesellschaft vorhanden ist. Man muss dieses Potential nur durch entsprechende Rahmenbedingungen fördern und kanalisieren.
 
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

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