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#1 Gesetze und Menschen: wer oder was entscheidet, was "richtig" ist ?

Verfasst: So 12. Jan 2020, 17:13
von Ruth
Ein Impuls, der mich heute morgen traf, regte mich, mit diesem Kommentar, an:   
Aus dem Predigttext für den 1. Sonntag nach Epiphanias (Matthäus 3,13–17):⁣
Manchmal geht es nicht darum, das zu tun, was man allgemein für richtig halten würde. Manchmal entscheidet der Moment darüber, was zu tun ist. Selig ist, wer dann danach handelt.

von Frank Muchlinsky

.... darüber nachzudenken.
Grundlage dazu ist aus Matthäus 3,14+15

Wortgerechte Gesetzestreue ist nicht immer der beste Weg, um es richtig zu machen. Besonders nicht dann, wenn es um Menschen, im Umgang miteinander, geht. 

Jesus hat auch wiederholt darauf hingewiesen, dass man hinter die Fassaden schauen und emphatisch miteinander umgehen sollte. 
Um den Menschen gewisse Hilfestellung zu bieten, gibt es Regeln und Gesetze. Aber man sollte sie nicht als Wurfsteine zur Zerstörung benutzen, sondern als Leitplanken und Wegweisung ...  zu guten Zielen. 

Regeln und Gesetze in der Bibel sind NICHT dazu da, um andere Menschen zu be- und verurteilen, sondern um Hinweise zu geben, wie man ein gutes Ziel erreichen kann, wobei die Liebe zum Nächsten Antrieb sein kann. 

Es heißt in der Bibel, Jesus hat das Gesetz erfüllt. In den Berichten der Bibel wird  in vielen Begegnungen zwischen Menschen mit Jesus aufgezeigt, dass dies NICHT bedeutet, dass man wortgetreu nach einer Gebrauchsanweisung handelt, sondern dass man erst einmal den Menschen, mit dem man es zu tun hat, anschaut, tiefer schaut und dann das "Herz" entscheiden lässt. 


Wenn man auf diese unterschiedliche Art, mit Gesetzen umzugehen, zu sprechen kommt, dann heißt es oft von Kritikern, das würde nur nach Belieben funktionieren, endet im Chaos und bringt niemals Lösungen. 

Ich denke, wenn es aber nach dem Maßstab geht, den Jesus vorgegeben und praktiziert hat, dann könnte es wirklich funktionieren. Ein Maßstab, wo der Mensch im Vordergrund  steht - nicht das Gesetz. Wo die Liebe regiert. 

Was kommen euch für Gedanken zu diesem Thema?
Könnt ihr den Kommentar (Zitat) so nachvollziehen und unterschreiben?

 

#2 Re: Gesetze und Menschen: wer oder was entscheidet, was "richtig" ist ?

Verfasst: So 12. Jan 2020, 19:48
von JackSparrow
Ruth hat geschrieben:
So 12. Jan 2020, 17:13
Aus dem Predigttext für den 1. Sonntag nach Epiphanias (Matthäus 3,13–17):⁣
Manchmal geht es nicht darum, das zu tun, was man allgemein für richtig halten würde.
Was ist die Alternative? Das zu tun, was du für falsch hältst?

Wortgerechte Gesetzestreue ist nicht immer der beste Weg, um es richtig zu machen.
Paulus schreibt, jede gesetzgebende Autorität stamme allein von Gott.

Inwiefern kennt dieser Gott nicht immer den besten Weg, etwas richtig zu machen?

Es heißt in der Bibel, Jesus hat das Gesetz erfüllt.
Es heißt in der Bibel, Jesus sei gekommen um das Gesetz zu erfüllen.

Wir wissen nicht, ob er dieses Ziel je in Angriff nahm, da die Bibel keine Situation schildert, in der Jesus mal irgendeins der 613 jüdischen Gesetze erfüllt hätte.

Ich denke
Die Bibel schreibt, aus dem Herzen der Menschen kämen böse Gedanken hervor und allein der Gott sei gut.

#3 Re: Gesetze und Menschen: wer oder was entscheidet, was "richtig" ist ?

Verfasst: Mo 13. Jan 2020, 06:07
von Vitella
Ruth hat geschrieben:
So 12. Jan 2020, 17:13
Wortgerechte Gesetzestreue ist nicht immer der beste Weg,


natürlich nicht, wir stehen eh nicht mehr unter dem Gesetz.
 
Ruth hat geschrieben:
So 12. Jan 2020, 17:13
Wenn man auf diese unterschiedliche Art, mit Gesetzen umzugehen, zu sprechen kommt, dann heißt es oft von Kritikern, das würde nur nach Belieben funktionieren, endet im Chaos und bringt niemals Lösungen. 

versteh ich jetzt nicht, hast du dazu ein Beispiel?

#4 Re: Gesetze und Menschen: wer oder was entscheidet, was "richtig" ist ?

Verfasst: Mo 13. Jan 2020, 10:16
von Ruth
Vitella hat geschrieben:
Mo 13. Jan 2020, 06:07
Ruth hat geschrieben: 
So 12. Jan 2020, 17:13
Wenn man auf diese unterschiedliche Art, mit Gesetzen umzugehen, zu sprechen kommt, dann heißt es oft von Kritikern, das würde nur nach Belieben funktionieren, endet im Chaos und bringt niemals Lösungen. 
versteh ich jetzt nicht, hast du dazu ein Beispiel?

Wenn man sagt, man kann die Gesetze nur individuell anwenden, indem man zuerst den Menschen und dessen Hintergründe beachtet, dann sagen Gesetzestreue meistens, dass man dann Gesetze immer beliebig auslegen könne, und letztendlich jeder tun kann, was er will ... so ähnlich erlebe ich das jedenfalls.

Beispiel: Jesus, und die Ehebrecherin. Gesetzesmäßig sollte sie gesteinigt werden. Jesus hat aber Hintergründe (der Ankläger) aufgedeckt, die gezeigt haben, dass nach dem Gesetz im Grunde alle, die dabei waren, gesteinigt werden müssten. 

Jesus hat damit angezeigt, dass wenn das Gesetz nur nach den vordergründigen Vorschriften angewandt würde, eine Steinigung von Tätern/Sündern im Grunde sinnlos wäre.

#5 Re: Gesetze und Menschen: wer oder was entscheidet, was "richtig" ist ?

Verfasst: Mo 13. Jan 2020, 10:55
von Travis
Ruth hat geschrieben:
Mo 13. Jan 2020, 10:16
Jesus hat damit angezeigt, dass wenn das Gesetz nur nach den vordergründigen Vorschriften angewandt würde, eine Steinigung von Tätern/Sündern im Grunde sinnlos wäre.
Es waren gerade die vordergründigen Vorschriften, die eine Verurteilung verhindert haben.

Die Begebenheit mit der Ehebrecherin war der einzige Versuch der Schriftgelehrten, Jesus anhand des mosaischen Gesetzes eine Falle zu stellen. Er scheiterte kläglich. Denn Jesus hielt sich genau an die Vorschriften, die Schriftgelehrten jedoch nicht.

Die Schriftgelehrten hatten die Frau bloßgestellt und versuchten dies auch bei Jesus. Am Ende waren sie es, die bloßgestellt waren.

#6 Re: Gesetze und Menschen: wer oder was entscheidet, was "richtig" ist ?

Verfasst: Mo 13. Jan 2020, 10:58
von 1Johannes4
Hallo Ruth,

Ruth hat geschrieben:
Mo 13. Jan 2020, 10:16
Beispiel: Jesus, und die Ehebrecherin. Gesetzesmäßig sollte sie gesteinigt werden. Jesus hat aber Hintergründe (der Ankläger) aufgedeckt, die gezeigt haben, dass nach dem Gesetz im Grunde alle, die dabei waren, gesteinigt werden müssten.
die meisten Leute haben leider überhaupt keine Ahnung, wie „gesetzesmäßig“ mit Ehebrechern umgegangen wurde. Beispielsweise hatten die Ankläger bei einem todeswürdigen Verbrechen die ersten Steine zu werfen - das könnten z.B. die Zeugen des Ehebruchs oder der Ehemann sein, aber nicht ein aufgehetzter Mob. Zum Anderen wird auch gerne übersehen, dass im Gesetz auch der Zweck der Strafen genannt wurde: die Entfernung des Bösen aus der Mitte des Volkes Gottes. Auch wenn der Weg Jesu in diesem Fall von Gnade geprägt war, verlor er jedoch nicht dieses Ziel aus den Augen, denn mittels seiner abschließenden Aufforderung an die Ehebrecherin fortan nicht mehr zu sündigen wird dieses Ziel im Idealfall ebenfalls erreicht.

Wenn jemand wie Jesus das Gesetz in Liebe auslegte und anwandte, dann auf der Grundlage dessen, dass er wusste, worum es geht. Eine rein gefühlsbasierte Zuwendung in Liebe war das jedenfalls nicht und so sollte es meiner Meinung nach auch nicht verstanden werden. Der Mob, der nach harten Strafen schreit, handelt emotional, würde bei Bedarf auch eine Liebe zum Opfer des Gesetzesbruches erklären, aber wäre es deswegen richtig? Und sollte man viele Straftäter wie beispielsweise Mörder, Erpresser, Vergewaltiger aus Liebe zum jeweiligen Täter begnadigen?

Wenn ein Richter individuelle Urteile fällen würde, dann würden sich immer diejenigen ungerecht behandelt fühlen, die härtere Urteile gefällt bekämen. Milde gegenüber jedem würde aber bedeuten, dass sich die Opfer von Straftaten ungerecht behandelt fühlten. Nur um zu verdeutlichen, warum auch Jesus deutlich sagte, dass es nicht nur um Barmherzigkeit ginge:
Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Heuchler! Sogar von Küchenkräutern wie Minze, Dill und Kümmel gebt ihr Gott den zehnten Teil. Aber die viel wichtigeren Forderungen Gottes nach Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue sind euch gleichgültig. Doch gerade darum geht es hier: das Wesentliche tun und das andere nicht unterlassen.
Matthäus‬ ‭23:23‬ ‭HFA‬‬

Wenn man also eine strenge Form der Gesetzestreue wegen etwaiger Lieblosigkeit ablehnt, sollte man gut aufpassen, dass man nicht statt auf der einen Seite danach auf der anderen Seite vom Pferd rutscht.

Grüße,
Daniel.

#7 Re: Gesetze und Menschen: wer oder was entscheidet, was "richtig" ist ?

Verfasst: Mo 13. Jan 2020, 11:23
von Ruth
Travis hat geschrieben:
Mo 13. Jan 2020, 10:55
Es waren gerade die vordergründigen Vorschriften, die eine Verurteilung verhindert haben.
1Johannes4 hat geschrieben:
Mo 13. Jan 2020, 10:58
die meisten Leute haben leider überhaupt keine Ahnung, wie „gesetzesmäßig“ mit Ehebrechern umgegangen wurde

Genau das meinte ich damit, was ich als "vordergründig" betitelt habe. Danke für die passenden Vorlagen.

Jeder versucht seine eigene Vorstellung, wie denn Gesetze gemeint sein konnten, darzustellen. Der Mensch, um den es dabei geht, gerät völlig in den Hintergrund.

Das Beispiel mit der Ehebrecherin und Jesus war eben auch nur ein Beispiel dafür, dass Jesus die Lage "anders" beurteilt hat. Wie genau Jesus das gemeint haben könnte, darüber gibt es auch wieder mehrere Meinungen und Interpretationen. Jeder pocht auf seine Sicht der Dinge. Um den Menschen geht es dabei überhaupt nicht. 

Für mein Verständnis hat Jesus in mehreren Beispielen genau diese Art, mit Gesetzen umzugehen, kritisiert - und in seinem Handeln an den Menschen gezeigt, wie es funktioniert, den Menschen /Nächsten/Sünder wahrzunehmen und dabei festzustellen, dass man als Ankläger keinen Deut besser ist, als der Angeklagte. 
 

#8 Re: Gesetze und Menschen: wer oder was entscheidet, was "richtig" ist ?

Verfasst: Mo 13. Jan 2020, 11:29
von Ruth
Aber ich würde gerne nochmal auf den Ausgangspunkt dieses Threads zurück gehen.  

Es ging dabei nicht um Angeklagte und Kläger, sondern um Vorschriften, so wie man sie eigentlich immer umsetzt, um alles richtig zu machen. Und um Menschen, die Gott/Jesus begegnen, und dadurch manche Situationen anders beurteilen, als man es gewöhnlich tut.

Der Bibelvers bezog sich dabei auf die Taufe von Johannes, angewandt auf Jesus, der doch eigentlich, nach Meinung des Johannes, keine Taufe benötigte. Jesus sagte auf Johannes Einwand: "Tue es jetzt trotzdem einfach"  (Frei zitiert, mit meinen Worten)


Nachtrag um 11:50 Uhr: 
Mir geht es hier auch nicht um Auslegung, wer was wie gemeint haben könnte. Ich habe den Bibelvers und den dazugehörigen Kommentar gelesen, und mir MEINE Gedanken gemacht. Diese teile ich hier mit. Nicht mit dem Absolutheitsanspruch, sondern mehr als Anreiz, darüber nachzudenken, wo es auch im persönlichen Leben mit Gott/Jesus vielleicht mehr um den Menschen und seine Beweggründe geht, als um festgeschriebene Gesetze. 

#9 Re: Gesetze und Menschen: wer oder was entscheidet, was "richtig" ist ?

Verfasst: Mo 13. Jan 2020, 11:33
von Travis
Ruth hat geschrieben:
Mo 13. Jan 2020, 11:23
Jeder versucht seine eigene Vorstellung, wie denn Gesetze gemeint sein konnten, darzustellen. Der Mensch, um den es dabei geht, gerät völlig in den Hintergrund.
Falls Du mit "jeder" 1Johannes4 und mich meintest, so haben wir (ich unterstelle 1Joh4 diese Kenntnis einfach mal) lediglich aufgrund der reinen Kenntnis des mosaischen Gesetzes reagiert.

Da geht es nicht um "Meinung" sondern darum, dass die Schriftgelehrten eine Verurteilung der Frau auf Basis des mosaischen Gesetzes erlangen wollten, obwohl es gar keine gesetzliche Basis für eine ordnungsgemäße Verurteilung aufgrund eben dieses Gesetzes gab. Darin bestand auch ein Teil der Falle, die Jesus gestellt wurde.

#10 Re: Gesetze und Menschen: wer oder was entscheidet, was "richtig" ist ?

Verfasst: Mo 13. Jan 2020, 12:12
von Ruth
Ruth hat geschrieben:
So 12. Jan 2020, 17:13
Ein Impuls, der mich heute morgen traf, regte mich, mit diesem Kommentar, an:   
Aus dem Predigttext für den 1. Sonntag nach Epiphanias (Matthäus 3,13–17):⁣
Manchmal geht es nicht darum, das zu tun, was man allgemein für richtig halten würde. Manchmal entscheidet der Moment darüber, was zu tun ist. Selig ist, wer dann danach handelt.

von Frank Muchlinsky

.... darüber nachzudenken.
Grundlage dazu ist aus Matthäus 3,14+15

Wortgerechte Gesetzestreue ist nicht immer der beste Weg, um es richtig zu machen. Besonders nicht dann, wenn es um Menschen, im Umgang miteinander, geht. 

Jesus hat auch wiederholt darauf hingewiesen, dass man hinter die Fassaden schauen und emphatisch miteinander umgehen sollte. 
Um den Menschen gewisse Hilfestellung zu bieten, gibt es Regeln und Gesetze. Aber man sollte sie nicht als Wurfsteine zur Zerstörung benutzen, sondern als Leitplanken und Wegweisung ...  zu guten Zielen. 

Regeln und Gesetze in der Bibel sind NICHT dazu da, um andere Menschen zu be- und verurteilen, sondern um Hinweise zu geben, wie man ein gutes Ziel erreichen kann, wobei die Liebe zum Nächsten Antrieb sein kann. 

Es heißt in der Bibel, Jesus hat das Gesetz erfüllt. In den Berichten der Bibel wird  in vielen Begegnungen zwischen Menschen mit Jesus aufgezeigt, dass dies NICHT bedeutet, dass man wortgetreu nach einer Gebrauchsanweisung handelt, sondern dass man erst einmal den Menschen, mit dem man es zu tun hat, anschaut, tiefer schaut und dann das "Herz" entscheiden lässt. 


Wenn man auf diese unterschiedliche Art, mit Gesetzen umzugehen, zu sprechen kommt, dann heißt es oft von Kritikern, das würde nur nach Belieben funktionieren, endet im Chaos und bringt niemals Lösungen. 

Ich denke, wenn es aber nach dem Maßstab geht, den Jesus vorgegeben und praktiziert hat, dann könnte es wirklich funktionieren. Ein Maßstab, wo der Mensch im Vordergrund  steht - nicht das Gesetz. Wo die Liebe regiert. 

Was kommen euch für Gedanken zu diesem Thema?
Könnt ihr den Kommentar (Zitat) so nachvollziehen und unterschreiben?


Ein "Gespräch" nebenbei in einem Chat, und die bisherigen Antworten hier, lassen mich nochmal den Eingangstext dieses Threads vorstellen.

Meine Intention geht NUR von den Punkten aus, die ich im Eingangstext angesprochen habe.

Es geht NICHT um die Predigt, das Thema des BIbelverses (Taufe) und um Gesetze, sondern um die Frage, wo im Leben und der Beziehung zu Gott/Jesus manches anders läuft und bewertet werden kann, als es normalerweise für "richtig" gehalten wird. Vielleicht gibt es sogar Erfahrungen in dieser Richtung.


PS: Für mich war das ein ganz normaler Gedankengang, als ich den Bibelvers, zusammen mit dem Kommentar dazu gelesen hatte. Mir war nicht bewusst, dass es so schwierig sein könnte, meine Gedankengänge hier so darzustellen, dass sie zum mitdenken anreizen.

Also, mache ich hiermit jetzt noch einen Versuch ... und sonst muss ich eben alleine weiterdenken.  👀