Waren es jeweils 14 Generationen?

Themen des Neuen Testaments
Antworten
Pinguin87
Beiträge: 21
Registriert: Sa 9. Mär 2019, 15:10

#1 Waren es jeweils 14 Generationen?

Beitrag von Pinguin87 » Fr 17. Jan 2020, 12:27

Hallo zusammen,

es  heißt in Matthäus 1, 17:
Insgesamt sind es also von Abraham bis David vierzehn Generationen, von David bis zur Verbannung nach Babylon wieder vierzehn Generationen und von der Verbannung nach Babylon bis zu Christus noch einmal vierzehn Generationen 
Lange Zeit habe ich es nicht nachgezählt, bis ich einmal in einem youtube-Video (ich weiß nicht mehr wie es heißt) gehört habe, dass dies nicht stimmt. Und so habe ich nun nachgezählt. 
1. Von Abraham bis David: Abraham, Isaak, Jakob, Juda, Perez, Hezron, Ram, Amminadab, Nachschon, Salmon, Boas, Obed, Isai und David
2. Von David bis zur Verbannung nach Babylon: David, Salomo, Rehabeam, Abija, Asa, Joschafat, Joram, Usija, Jotam, Ahas, Hiskija, Manasse, Amon, Joschija, und Jojachin
3. Von der Verbannung nach Babylon bis zu Christus: Jojachin, Schealtiel, Serubbabel, Abihud, Eljakim, Azor, Zadok, Achim, Eliud, Eleasar, Mattan, Jakob, Josef und Jesus Christus.

Ich zähle bei 1. vierzehn, bei 2. fünfzehn und bei 3. wieder vierzehn Generationen, jeweils mit Anfangs- und Endstück der Aufzählung. Wenn man nur die Zwischenräume zählt, halt jeweils um eins weniger. Hängt halt ab, wie man eine Generation definiert.

Mir fallen diesbezüglich drei mögliche Lösungen ein:
1. Meine Aufzählung ist falsch oder ich habe mich verzählt. Auweia.
2. Man muss eine andere Zählweise verwenden. Das meine ich durchaus ernst, denn in einem youtube-Video von Roger Liebi hörte ich, dass, wenn man die Regierungsjahre der Könige im Südreich Juda und die Regierungsjahre im Nordreich Israel so zusammenzählt wie sie in der Bibel stehen, kommt man in Summe auf unterschiedliche Ergebnisse. Herr Liebi hat dann erklärt, dass die Zählweise bei einem Reich anders war. Ich meine mich daran zu erinnern zu können, dass man bei jeder Regierungszeit im Nordreich eins hinzuaddierte. Verwendete man dann diese andere Zählweise stimmten die beiden Ergebnisse der Summen der Regierungjahre im Süd- bzw. Nordreich überein (bis zum Ende des Nordreiches).
3. Die Zahl Vierzehn hat ein besondere Symbolkraft und man hat sie deshalb in der Bibel übernommen. Dies scheint mir selber aber eher eine Krücke zu sein.

Was sagt Ihr zu alledem. Oder habt Ihr gar schon die Lösung zum Problem?

 
"I don't believe in natural science. I only believe in a priori truth."
Kurt Gödel

Ibbur
Beiträge: 42
Registriert: So 12. Jan 2020, 21:13

#2 Re: Waren es jeweils 14 Generationen?

Beitrag von Ibbur » Fr 17. Jan 2020, 12:38

Ich meine mal gelesen zu haben, dass die Liste in Matthäus eh unvollständig ist. Bin mir aber auch nicht mehr sicher.

Ibbur
Beiträge: 42
Registriert: So 12. Jan 2020, 21:13

#3 Re: Waren es jeweils 14 Generationen?

Beitrag von Ibbur » Fr 17. Jan 2020, 12:55

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der ... ge_Israels

Habs gerade nachgeschaut. Nach Joram fehlen Könige.

Benutzeravatar
ProfDrVonUndZu
Beiträge: 826
Registriert: Do 11. Aug 2016, 08:16

#4 Re: Waren es jeweils 14 Generationen?

Beitrag von ProfDrVonUndZu » Fr 17. Jan 2020, 14:05

Bei 2. sollte man wohl nur bis Josia zählen. Es werden nur die gezählt, die ihrerseits gezeugt haben.
"Viele, die leben, verdienen den Tod. Und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben? Dann sei auch nicht so rasch mit einem Todesurteil bei der Hand." - Gandalf in J.R.R Tolkien - Herr der Ringe, Band 1

Benutzeravatar
Münek
Beiträge: 13072
Registriert: Di 7. Mai 2013, 21:36
Wohnort: Duisburg

#5 Re: Waren es jeweils 14 Generationen?

Beitrag von Münek » Sa 18. Jan 2020, 08:09

Pinguin87 hat geschrieben:
Fr 17. Jan 2020, 12:27
1. Meine Aufzählung ist falsch oder ich habe mich verzählt. Auweia.
Mach Dir keine Sorgen. Es war der Matthäus-Evangelist, der sich verzählt hat. :)

Und falls Interesse besteht, dann sieh Dir mal das Geschlechtsregister Jesu bei Lukas 3:23 ff. an. Dann wirst Du feststellen, dass es ganz erhebliche Abweichungen von Matthäus gibt. Das Kuriose ist auch, dass beide Register bei Joseph enden, der aber nicht Jesu leiblicher Vater gewesen sein soll.

Andererseits sollte Jesus halt "doch" ein Abkömmling des Königs Davids sein, aus dessen Geschlecht der "Messias" kommen soll-
te ("Sohn Davids").

Benutzeravatar
sven23
Beiträge: 22394
Registriert: Fr 10. Mai 2013, 15:55

#6 Re: Waren es jeweils 14 Generationen?

Beitrag von sven23 » Sa 18. Jan 2020, 09:38

Pinguin87 hat geschrieben:
Fr 17. Jan 2020, 12:27
Hallo zusammen,

es  heißt in Matthäus 1, 17:

Insgesamt sind es also von Abraham bis David vierzehn Generationen, von David bis zur Verbannung nach Babylon wieder vierzehn Generationen und von der Verbannung nach Babylon bis zu Christus noch einmal vierzehn Generationen 

Die "Lösung" des Problems ist ganz einfach.
Die beiden Geburtsregister wurden ja nur deshalb lange nach dem Tod des Wanderpredigers erfunden, weil man nach einer Legitimation für die angebliche Abstammung aus dem Königshaus David benötigte.
Das ging aber gründlich in die Hose, denn sie sind widersprüchlich und unlogisch, wenn Jesus der Sohn Gottes gewesen sein soll. Siehe dazu auch die Erklärung von Münek.


Die Bedeutungslosigkeit von Nazareth spiegelt sich noch in Joh 1,46
wider, wo die Frage gestellt wird: „Was kann aus Nazareth Gutes kommen?“
Matthäus und Lukas lassen Jesus jedoch nicht in Nazareth, sondern in Bethlehem
geboren sein, weil dieser Ort als Stadt Davids galt und der Messias nach einer weitverbreiteten
jüdischen Vorstellung aus dem Geschlechte Davids kommen sollte. Offenbar
war die Herkunft Jesu aus Nazareth jedoch nicht so ohne weiteres zu leugnen (was
ebenfalls für sie spricht), und so greifen die späteren Evangelisten aus theologischen
Gründen auf den Trick zurück, ihn zumindest in Bethlehem geboren sein zu lassen. Von
einem solchen Hochjubeln weiß das Markusevangelium noch nichts. Jeweils ein
Stammbaum soll bei Matthäus und Lukas die davidische Herkunft Jesu bestätigen und
die Linie ziehen von David bis hin zu Josef als dem Vater Jesu. Nun hat man aber ein
Problem. Wenn man Jesus als Sohn des Josef ansieht und ihn auf davidische Herkunft
zurückführt, so beißt sich dies mit den Weihnachtslegenden, nach denen Jesu Vater ja
gerade nicht Josef war, sondern der Heilige Geist. Dann machen auch die Stammbäume,
die auf David zurückführen, keinen Sinn mehr. Auch ist die Herkunft direkt aus dem
Heiligen Geist natürlich viel glanzvoller als eine bloße Herkunft aus dem davidischen
Geschlecht. Historisch liegt die Sache klar, denn die übernatürliche Herkunft Jesu mit
dem Heiligen Geist als Vater ist die Sicht der späteren glaubenden Gemeinde, eine
bewusste Höherstellung des geglaubten und erhöhten Christus. Niedriger und
unspektakulärer, und damit historisch wahrscheinlicher, ist die Herkunft aus dem Hause
Davids, also ohne Zutun des Heiligen Geistes und mit Josef als Vater Jesu. Doch auch die
Herkunft Jesu aus davidischem Geschlecht wird von vielen Theologen für nicht
wahrscheinlich gehalten. Man wird der historischen Wahrheit vermutlich am nächsten
kommen, wenn man annimmt, dass Jesus aus einer eher unbedeutenden Familie in
Galiläa kam und dass erst nach seinem Tod zunächst eine davidische Herkunft und später
dann sogar eine Vaterschaft des Heiligen Geistes angenommen wurde. Auf diese Weise
kann man alle Traditionen auseinander ableiten. Die katholische Kirche rettet sich
übrigens bei diesen Problemen gerne in den Trick, dass sie Maria zur Davidin erklärt und
die Stammbäume eigentlich auf sie zurückgehen lässt. Dass dies dem Text entgegensteht
und die Herleitung eines Stammbaums von der Mutter her dem jüdischen Recht und den
jüdischen Gebräuchen widerspricht, stört die katholische Kirche dabei wenig.

 Kubitza, Der Jesuswahn
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

Benutzeravatar
Münek
Beiträge: 13072
Registriert: Di 7. Mai 2013, 21:36
Wohnort: Duisburg

#7 Re: Waren es jeweils 14 Generationen?

Beitrag von Münek » Sa 18. Jan 2020, 12:52

sven23 hat geschrieben:
Sa 18. Jan 2020, 09:38
Pinguin87 hat geschrieben:
Fr 17. Jan 2020, 12:27
Hallo zusammen,

es  heißt in Matthäus 1, 17:

Insgesamt sind es also von Abraham bis David vierzehn Generationen, von David bis zur Verbannung nach Babylon wieder vierzehn Generationen und von der Verbannung nach Babylon bis zu Christus noch einmal vierzehn Generationen 

Die "Lösung" des Problems ist ganz einfach.
Die beiden Geburtsregister wurden ja nur deshalb lange nach dem Tod des Wanderpredigers erfunden, weil man nach einer Legitimation für die angebliche Abstammung aus dem Königshaus David benötigte.
Hierzu bleibt anzumerken, dass der im "Alten Testament" verheißene "Messias" kein göttliches Wesen, sondern ein von Gott auserwählter MENSCH sein sollte.

Man achte auf die Feinheiten. :)

Benutzeravatar
sven23
Beiträge: 22394
Registriert: Fr 10. Mai 2013, 15:55

#8 Re: Waren es jeweils 14 Generationen?

Beitrag von sven23 » Sa 18. Jan 2020, 14:32

Münek hat geschrieben:
Sa 18. Jan 2020, 12:52
sven23 hat geschrieben:
Sa 18. Jan 2020, 09:38
Pinguin87 hat geschrieben:
Fr 17. Jan 2020, 12:27
Hallo zusammen,

es  heißt in Matthäus 1, 17:

Insgesamt sind es also von Abraham bis David vierzehn Generationen, von David bis zur Verbannung nach Babylon wieder vierzehn Generationen und von der Verbannung nach Babylon bis zu Christus noch einmal vierzehn Generationen 

Die "Lösung" des Problems ist ganz einfach.
Die beiden Geburtsregister wurden ja nur deshalb lange nach dem Tod des Wanderpredigers erfunden, weil man nach einer Legitimation für die angebliche Abstammung aus dem Königshaus David benötigte.
Hierzu bleibt anzumerken, dass der im "Alten Testament" verheißene "Messias" kein göttliches Wesen, sondern ein von Gott auserwählter MENSCH sein sollte.

Man achte auf die Feinheiten. :)

Genau so ist es. Und es erklärt auch, warum die Schreiber in der älteren Tradition kein Problem damit hatten, Jesus von Menschen abstammen zu lassen.
Die Vaterschaft des Heiligen Geistes ist ein späteres Projekt, das vor allem die Kirche stark forciert hat.
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

Antworten