Die Weisheit orthodoxer Christen

Nichtchristen sind willkommen, wir bitten aber darum, in diesem Forum keine Bibel- und Glaubenskritik zu üben.
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Novalis
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Re: Die Weisheit orthodoxer Christen

Beitragvon Novalis » Mi 29. Nov 2017, 11:57

„Sehnsucht nach Gott und unserem Wahren Selbst ist ein und dieselbe Sehnsucht. Die Religion hat nur eine Aufgabe, nur eine einzige: Aus zweien eins zu machen.“

~ Richard Rohr

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Ernst Jünger: Der Waldgang|„Auf alle Fälle führt die Hoffnung weiter als die Furcht“ ~ Ernst Jünger

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Re: Die Weisheit orthodoxer Christen

Beitragvon Novalis » Do 30. Nov 2017, 12:48

Nicht alle, die wandern, sind verloren ~ J.R.R. Tolkien

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All that is gold does not glitter,
Not all those who wander are lost;
The old that is strong does not wither,
Deep roots are not reached by the frost.
From the ashes a fire shall be woken,
A light from the shadows shall spring.
Renewed shall the blade that was broken
The crownless again shall be king
(Song of Aragorn)
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Re: Die Weisheit orthodoxer Christen

Beitragvon Novalis » Sa 2. Dez 2017, 05:55

”Alles, was von Gott geschaffen wurde, ist schön und rein, denn das Wort Gottes hat nichts nutzlos oder unrein gemacht.” ~ St. Athanasius

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Re: Die Weisheit orthodoxer Christen

Beitragvon Novalis » So 3. Dez 2017, 10:08

"Es scheint mir nicht, dass das Evangelium vom Firmament des Himmels als eine entfernte Wohnstätte Gottes spricht ... weil das Göttliche in allen Dingen gleichermaßen gegenwärtig ist, und in gleicher Weise die gesamte Schöpfung durchdringt und nicht getrennt vom Sein existiert, so berührt die göttliche Natur jedes Element des Seins mit gleicher Ehre und umfasst alle Dinge in sich selbst. "

~ St. Gregor von Nyssa

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Supernova remnant N63A menagerie. Credit: NASA, ESA, HEIC and The Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
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Re: Die Weisheit orthodoxer Christen

Beitragvon Novalis » So 3. Dez 2017, 12:56

Novalis hat geschrieben:
Pluto hat geschrieben:Im Falle der Historizität der Einzelperson Jesus gibt es leider keine solchen Belege, sodass wir uns vorwiegend auf den Text des NT berufen müssen. Der Punkt hier ist, man kann nicht willkürlich Dinge wie die Trinität (Jesus = Gott = HG) in die Texte hineinlesen


Doch, kann man und macht man so. Deswegen gibt es die Idee der Heiligen Trinität. Hier eine sehr gute und einfache Erklärung der dahinter stehenden Bedeutung:



Rembremerding hat geschrieben:Sowohl Jesus Christus, als auch die Trinität vor dem Konzil von Nicäa sind historisch belegt.


["Es ist so wie Maximus der Bekenner sagte, das kleinste Objekt zu betrachten, heißt die Dreieinigkeit zu erfahren: Das Wesen des Objekts führt uns zurück zum Vater, die Bedeutung, die es ausdrückt, sein Logos, spricht uns vom Logos, sein Wachstum zu Fülle und Schönheit offenbart den Atem, den Lebensspender. " - Olivier Clement ] Vereinfacht gesagt beschreibt die heilige Trinität die verschiedenen “Dimensionen” des einen Schöpfers, welche in ihrem Zusammenspiel die Schöpfung hervorbringen, die wiederum die Selbst-Offenbarung des Einen ist. Die Väter sprachen von der Perichorese (altgriechisch περιχώρησις perichóresis) die vollständige gegenseitige Durchdringung, Einheit in Verschiedenheit, so wie die Partner bei einem Tanz.




Dazu sei noch von meiner Seite gesagt, dass ich keinerlei Interesse habe darüber zu streiten, denn Gott ist ein Mysterium und man sollte ihn nicht den Löwen des rationalen Verstandes vorwerfen, die sich dann in der Diskussion gegenseitig zerfleischen. Ein Mysterium möchte meditiert und nicht zerredet werden :) Wenn Christen das Mysterium Gottes als eine „dreidimensionalen Wirklichkeit“ beschreiben, dann ist das eine Einladung zur Meditation. Gott ist das absolute Eine, aber dieses absolute Eine ist nicht eindimensional, wie eine leere und tote Wüste, sondern mehrdimensional, wie Liebe und die Fülle allen Lebens. Ganz grundsätzlich geht es darum, dass die Trinität uns hinaus führt über den dualistischen Verstand, der alles in Zweierbegriffen sieht, hin zum Gesetz der Drei statt des Gesetzes der Zwei. Das Gesetz der Zwei, die Dualität, spricht von den Gegensätzen.

Das Gesetz der Drei spricht davon, wie die Dualität in einer höheren Einheit aufgehoben und vereint ist, eine höhere Einheit in Verschiedenheit (Nondualität). Die Trinität sagt uns, dass Gott lebendige und dynamische Beziehung ist (Richard Rohr, Divine Dance: The Trinity and Your Transformation. 2016) und das Göttliche offenbart sich insbesondere in der Bewegung zwischen uns. Der islamische Mystiker Rumi hat das mal so schön gesagt:

Jenseits von richtig und falsch gibt es einen Ort. Dort treffen wir uns. (The Book of Love)


Jenseits der Dualität treffen wir uns. Dieses “jenseits der Dualität” ist Liebe, ist Gott. Unser normaler Bewusstseinszustand ist ein Zustand der Dualität (Subjekt-Objekt-Spaltung), doch spirituelles Bewusstsein führt uns darüber hinaus in ein höheres Verständnis der Dinge, wir transzendieren die Dualität.
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Re: Die Weisheit orthodoxer Christen

Beitragvon Rembremerding » So 3. Dez 2017, 16:31

Gott steht über Singular und Plural.
Die ersten Christen, alles Juden, standen nach der Auferstehung des Herrn vor dem Problem, dass sie an nur einen Gott glaubten, aber nun jener, Jesus, in ihr Leben, ihre Geschichte kam, der von sich behauptete Gott gleich zu sein, Sünden vergab, Tote erweckte, Aussätzige heilte, was nur Gott konnte. Zudem wussten sie nach Pfingsten um dieselbe Kraft in ihnen, die sie von Gott erwarteten und von Jesus ausgehend spürten und sahen.
Johannes war der erste, der diese noch unreflektierte Dreiheit des Einen in seinem Evangelium nicht nur nebeneinander stellte, wie Ur-Matthäus, Matthäus und Lukas, sondern auch schon ineinander, ohne aber es konkret auszusprechen. So wurde 80-90 schon mit der Vater-Sohn-Hl. Geist-Formel getauft.
Spätere Erklärungsversuche wie Monarchismus oder Arianismus machten es sich einfacher, aber auch einfältiger, denn der Kern und die Erfahrung blieben dabei unberührt. Deren Erfolg bestand allein darin, dass man Gottes Wesen als erkannt abhaken konnte, während die erlebte und erfahrene Trinität ein Mysterium blieb, das sich erst im hin-glauben und hin-lieben öffnete.

Die Meditation über die Dreifaltigkeit kann mit dem biblischen Impuls beginnen, was es heißt Vater und Sohn zu sein. Dass man Vater nur durch den Sohn wird und umgekehrt. Dass das Sohnsein ein völliges Ausgerichtetsein auf den Vater ist, ein Sein-für, ein Gesandtsein-von. Dass Sohnsein Hingabe ist an den Vater und Vatersein Allvergabe an den Sohn. Hier scheint dann durch den Schleier des Heiligen das Wesen Gottes hindurch: die Liebe. Der eine Gott zeigt sich in den drei Personen durch ihre Relation, ihre Beziehung zueinander.
Diese Relation ist nicht unabhängig vom Menschen: Sind wir Christen, haben wir durch den Sohn Anteil am Sohnsein (natürlich auch Tochtersein) und sind wie er in der Existenz des Gesandtseins, des Dienens, der Hingabe. Die Pro-Existenz, das Für-Sein des Sohnes eröffnete uns dies erst.
In der Trinität zu leben und zu glauben oder nicht, ist also keineswegs nur philosophisches Gedankenspiel, ohne Auswirkung auf das Leben, es ist existentiell, weil es das Denken verändert oder nicht. Die Einheit der Kirche, aller Christen, ist allein in Christus, im Sohnsein zum Vater. Diese Einheit ist Glaube, ist Liebe. Die Einheit ist darum Liebe, weil sie als einzige die Vielheit aufhebt, so wie Vater-Sohn-Hl. Geist eins in Gott sind. Das ist das Geheimnis: Eins-Sein im Viel-Sein durch die Liebe, den Hl. Geist.
So weit ... :)

Servus :wave:
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(Pierre Teilhard de Chardin).
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Re: Die Weisheit orthodoxer Christen

Beitragvon Hemul » So 3. Dez 2017, 23:21

Rembremerding hat geschrieben:Gott steht über Singular und Plural.
Die ersten Christen, alles Juden, standen nach der Auferstehung des Herrn vor dem Problem, dass sie an nur einen Gott glaubten, aber nun jener, Jesus, in ihr Leben, ihre Geschichte kam, der von sich behauptete Gott gleich zu sein.......

Jesus hat behauptet Gott gleich zu sein? :shock: Wo geht das aus der Bibel hervor? Haste wohl aus dem katholischen Katechismus-gelle? ;) Schau was Jesus hier z.B. in Lukas 18:18+19 und Paulus in Philipper 2:6 zu Deiner o. Behauptung sagt:
18 Und es fragte ihn ein Oberster und sprach: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? 19 Da sprach Jesus zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein!

und:
6 Er, der doch von göttlichem Wesen war, hielt nicht wie an einer Beute daran fest, Gott gleich zu sein,

So weit...
:wave:

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Re: Die Weisheit orthodoxer Christen

Beitragvon Rembremerding » Fr 8. Dez 2017, 09:11

Der heutige Festtag Mariä Unbefleckte Empfängnis (Immaculata) findet seine bildliche Darstellung in der ostkirchlichen Ikonenwelt darin, dass Joachim und Anna, die Eltern Mariens, sich in der Goldenen Pforte des Tempels in Liebe umarmen. Die goldene Tempelpforte war an der Ostseite des Tempels angebracht, die täglich von der aufgehenden Sonne wie in loderndes Feuer verwandelt wurde. Man war überzeugt, dass der kommende Messias durch die Goldene Pforte den Tempel und damit die Welt betreten werde. Nun stehen Joachim und Anna in der Goldenen Pforte. Aus ihrer liebenden ehelichen Gemeinschaft kommt Maria hervor. Damit wurde sie zur Goldenen Pforte, die den Messias gebar.

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Quelle: https://i.pinimg.com/736x/86/e5/e6/86e5 ... saints.jpg
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