Das wahre Leben

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Novalis
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Das wahre Leben

Beitragvon Novalis » Mi 13. Sep 2017, 07:01

So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. (Jo. 3, 16. 36) Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben. (Jo. 6, 47)

Vor der Herabkunft unseres Herrn Jesus Christus auf unsere Erdenwelt wußten wir Menschen, daß wir eigentlich nur für den Tod da sind, und der Tod für uns. Alles Menschliche war vom Tod durchdrungen, erfaßt und besiegt. Der Tod war uns näher als wir selbst und wirklicher als wir selbst, und mächtiger, unvergleichlich mächtiger als jeder Mensch für sich und alle Menschen zusammen. Die Erde war ein grausames Todesverlies, und wir Menschen – ohnmächtige Sklaven des Todes (vgl. Hebr 2, 14–15). Erst mit dem Gottmenschen Christus – erschien uns das Leben, erschien ewiges Leben uns, den hoffnungslos Todgeweihten, uns den kläglichen Sklaven des Todes (vgl. 1 Jo 1, 2). Und dieses ewige Leben erblickten wir Menschen mit unseren Augen und griffen es mit unseren Händen (1 Jo 1, 2), und wir Christen verkünden allen ewiges Leben (vgl 1 Jo 1, 2). Denn da wir in Gemeinschaft mit dem Herrn Christus leben, leben wir ewiges Leben bereits hier, auf der Erde (vgl 1 Jo, 1, 3). Aus persönlicher Erfahrung wissen wir: Jesus Christus ist wahrer Gott und das ewige Leben (1 Jo 5, 20). Dafür eben kam Er in die Welt, um uns den wahren Gott und in Ihm das ewige Leben zu zeigen (vgl. 1 Jo 5, 11). Darin und allein darin besteht eben die wahre und wirkliche Menschenliebe: daß Gott Seinen Einziggeborenen Sohn in die Welt sandte, auf daß wir durch Ihn leben – ina zhswmen di autou (1 Jo 4, 9), und durch Ihn – im ewigen Leben. Deshalb hat, wer den Gottessohn hat, das ewige Leben; wer den Gottessohn nicht hat, hat das Leben nicht (1 Jo, 5, 12), der ist ganz im Tod. Das Leben im einzigen wahren Gott und Herrn Jesus Christus ist eben unser einzig wahres Leben, weil es ewig ist, ganz und gar stärker als der Tod. Kann man etwa als Leben ein Leben bezeichnen, das vom Tod verseucht ist und mit dem Tod abschließt? So wie Honig kein Honig ist, wenn er mit Gift vermischt ist, das allmählich den ganzen Honig in Gift verwandelt, so ist auch das Leben, welches mit dem Tod abschließt, kein Leben.

Die Menschenliebe des Herrn Christus hat kein Ende. Denn damit wir Menschen das ewige Leben erhalten, das in Ihm verweilt, und durch Ihn leben, dafür wird von uns weder Gelehrsamkeit noch Ruhm oder Reichtum oder irgend etwas anderes verlangt, was manche von uns nicht besitzen, sondern lediglich das, was jeder von uns haben kann. Was aber ist das? Der Glaube an den Herrn Christus. Deshalb offenbarte Er, der Einzige Menschenliebende, auch dem Menschengeschlecht diese wunderbare Frohbotschaft: so hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. (Jo 3, 16.36). Da Er den Menschen als einziger wahrer Gott das schenkte, was ihnen niemand von den Engeln oder Menschen geben kann, hatte der Herr Christus als Einziger im Menschengeschlecht auch den Mut und das Recht zu erklären: Wahrlich, wahrlich Ich sage euch: Wer an mich glaubt , der hat das ewige Leben (Jo 6, 47), und Er ging noch hier auf der Erde in das ewige Leben über (Jo 5, 24).

Der Glaube an den Herrn Christus verbindet den Menschen mit dem ewigen Herrn, Der nach dem Maße des Glaubens des Menschen in seine Seele das ewige Leben ergießt, und er empfindet sich und versteht sich als ewig. Und das um so mehr, je mehr der Mensch gemäß diesem Glauben lebt, der ihn allmählich seine Seele, sein Herz, sein Gewissen, sein ganzes Wesen mit gnadenerfüllten göttlichen Kräften heiligt. Gemäß dem Glauben des Menschen wächst auch die Heiligung der menschlichen Natur. Und je heiliger der Mensch ist, um so stärker und lebendiger wird in ihm das Gefühl der persönlichen Unsterblichkeit, und das Bewußtsein der eigenen Ewigkeit und der Ewigkeit eines jeden. Tatsächlich beginnt das wirkliche Leben des Menschen mit seinem Glauben an den Herrn Christus, der seine ganze Seele, sein Herz, seinen ganzen Geist, seine ganze Kraft dem Herrn Christus übergibt, und Er heiligt, verklärt, vergottet sie allmählich. Und über diese Heiligung ergießt Er über ihn gnadenerfüllte göttliche Kräfte, die ihm das allmächtige Gefühl und Bewußtsein persönlicher Unsterblichkeit und persönlicher Ewigkeit verleihen. In der Tat: unser Leben ist insofern Leben, als es in Christus ist. Inwieweit es jedoch in Christus ist, zeigt es durch seine Heiligkeit: je heiliger das Leben, um so unsterblicher, ewiger ist es. Dem entgegengesetzt ist der Tod. Was ist der Tod? Der Tod ist die gereifte Sünde; gereifte Sünde aber ist das Getrenntsein von Gott, in Welchem allein Leben und der Lebensquell ist. Die göttliche Wahrheit des Evangeliums: Heiligkeit ist Leben, Sündhaftigkeit ist Tod; Gottesverehrung ist Leben, Gottlosigkeit – Tod; Glauben ist Leben, Unglauben – Tod; Gott ist Leben, der Teufel – der Tod. Tod ist die Trennung von Gott, das Leben – die Rückkehr zu Gott und das Leben durch Gott. Der Glaube ist die Belebung der Seele von der Verhärtung, die Auferstehung der Seele von den Toten: er war tot und ist lebendig geworden (Lk 15, 24). Diese Auferstehung der Seele von den Toten hat der Mensch zum ersten Mal mit dem Gottmenschen Christus erfahren, und er erlebt sie ständig mit in Seiner Heiligen Kirche, denn Er ist ganz in ihr und gibt Sich den Gläubigen durch die heiligen Mysterien und die heiligen Tugenden. Wo Er ist, gibt es den Tod nicht mehr; hier ist alles vom Tod zum Leben übergegangen; hier lebt man schon im ewigen Leben. Mit der Auferstehung Christi feiern wir die Abtötung des Todes, den Beginn eines neuen, ewigen Lebens.

Von der Auferstehung Christi an beginnt auf der Erde das wahre Leben, denn dieses endet nicht mit dem Tod. Ohne Auferstehung Christi ist das menschliche Leben nichts anderes als ein allmähliches Sterben, welches schließlich unausweichlich mit dem Tod endet. Wahres, wirkliches Leben ist das, das nicht mit dem Tod endet. Und ein solches Leben wurde auf der Erde möglich ausschließlich durch die Auferstehung des Gottmenschen und Herrn Christus. Das Leben ist wirkliches Leben nur durch Gott. Denn das ist heiliges Leben und daher – unsterbliches Leben. Wie in der Sünde der Tod liegt, so auch in der Heiligkeit die Unsterblichkeit. Nur mit dem Glauben an den Auferstandenen Herrn Christus erlebt der Mensch das schicksalhafteste Wunder seiner Existenz: den Übergang aus dem Tod in die Unsterblichkeit, aus der Vergänglichkeit in die Ewigkeit, aus der Hölle in das Paradies. Erst dann findet sich der Mensch, sein wirkliches, ewiges Ich: er war verloren und wurde gefunden (Lk 15, 24), denn – er war tot und wurde lebendig.

Was sind Christen? Christen sind Christusträger und dadurch Träger und Besitzer des ewigen Lebens. Und zwar je nach Glauben und Heiligkeit, die aus dem Glauben quellt. Die Heiligen sind die vollkommensten Christen, denn sie haben sich in größtem Ausmaß geheiligt durch die Taten des heiligen Glaubens an den auferstandenen und ewiglebendigen Herrn Jesus. Tatsächlich sind sie die einzigen wahrlich Unsterblichen im Menschengeschlecht, denn sie leben mit ihrem ganzen Wesen im auferstandenen und um des auferstandenen Herrn Christus willen, und über sie hat keinerlei Tod Gewalt. Ihr Leben ist ganz vom Herrn Christus, und deshalb ganz Christusleben; ihr Denken ist ganz Christusdenken, ihr Fühlen – Christusfühlen. Alles was ihnen gehört, ist in erster Linie Christi, und erst danach das ihre; ist es das Gewissen, so ist es zunächst Christi und dann das ihre; ihr Leben ist zuerst Christi und dann das ihre. Sie besitzen sich nicht selbst, sondern alles und in allem ist Christus.


Archimandrit Justin Popovič
Quelle: Der Bote (übersetzt aus serbisch – Архимандрит Д-р Jустин Сп. Поповиh. Житиjа светих за месец jануар. Београд, 1972, стр. 7-16.)


Quelle: Kathedrale der Hll. Neumärtyrer und Bekenner Russlands in München: Wahres, wirkliches Leben ist das, das nicht mit dem Tod endet

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Ernst Jünger: Der Waldgang|„Auf alle Fälle führt die Hoffnung weiter als die Furcht“ ~ Ernst Jünger

Lena
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Re: Das wahre Leben

Beitragvon Lena » Mi 13. Sep 2017, 10:54

Sie besitzen sich nicht selbst, sondern alles und in allem ist Christus.


:Herz:

Solche Worte berühren mein Herz.

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Novalis
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Re: Das wahre Leben

Beitragvon Novalis » Do 14. Sep 2017, 18:32

Lena hat geschrieben:
Sie besitzen sich nicht selbst, sondern alles und in allem ist Christus.


:Herz:

Solche Worte berühren mein Herz.


Gott wurde Mensch, nicht um die alte Menschheit mit ihren Fehlern zu flicken, sondern um eine vollkommen neue Art von Menschheit hervorzubringen, eine ins göttliche Licht transformierte Menschheit, wie die Verklärung (Transfiguration) Jesu auf dem Berg Tabor.

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Die Lehre von der Transfiguration hat ihre Grundlage in den Evangelien. Petrus, Jakobus und Johannes steigen mit Jesus auf den Berg Tabor östlich von Nazareth und dann passiert es:
"Er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht" (Matthäus 17,2)


Ein großartiger Hinweis darauf, was mit uns passieren wird, wenn wir Jesus nachfolgen.

Jesu Gestalt hat etwas Faszinierendes und deutet für einen kurzen Moment auf seine Göttlichkeit hin. Die Jünger sehen seine göttliche Herrlichkeit, aus der Jesus in die Welt gekommen ist und in die er wieder zurückkehren wird – durch Tod und Auferstehung hindurch.


katholisch.de: Verklärung Christi: Ein göttlicher Augenblick
Ernst Jünger: Der Waldgang|„Auf alle Fälle führt die Hoffnung weiter als die Furcht“ ~ Ernst Jünger


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