Die geistige Wirklichkeit des Menschen

Philosophisches zum Nachdenken
ThomasM
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Re: Die geistige Wirklichkeit des Menschen

Beitragvon ThomasM » Do 7. Dez 2017, 09:19

Helmuth hat geschrieben:
ThomasM hat geschrieben:Dann meine Frage: WIE formt Geist Materie? Wie macht das dieser Geist? Welche Methoden verwendet er? Wie sind die Wirkgesetze?

Und Gott sprach .... und es wurde ....
Sollte doch bekannt sein, oder?

Seufz. :sick:
Die Einseitigkeit und Beschränktheit christlich trainierten Denkens ist manchmal eine echte Last. Diese stereotype Antwort höre ich immer (und hatte sie auch erwartet) und du verschleierst damit nur, dass du keine Ahnung hast, was da vor sich ging. Auch die christliche Angst, auch nur einen Millimeter selbstständig zu denken, ist schwer zu ertragen.
Warum hast du nicht geschrieben "Und Gott zauberte und es wurde"? Oder warum sagst du nicht wenigstens ehrlich "ich habe keine Ahnung"?
Das trifft es doch besser. Nur weil du an der biblischen Übersetzung klebst, wird meine Frage doch nicht beantwortet.

Und Gott sprach.
Ich nehme mal an, dass du nicht das Sprechen im menschlichen Sinn meinst. Dann müsstest du mir nämlich erklären, was Schallwellen mit Gottes Schöpfungshandeln zu tun haben oder wie Schallwellen unser tägliches Leben beeinflussen oder so.
Exegetisch ist eigentlich klar, dass nicht normales Sprechen gemeint sein kann. Zwar glaubten unsere Vorväter und die biblischen Schreiber an Wortzauber, aber das war nur Aberglaube.

Letztlich bedeutet deine Antwort nicht mehr als "Gott war der Verursacher allen Seins"
Das war eigentlich schon damit klar, dass wir von Gott sprechen. Selbstverständlich gilt, dass wenn es Gott und Gottes Geist gibt, dann ist er der Verursache. Theologie, 1. Stunde, Anfangsaussage. Fertig.

Aber wir sprechen ja nicht nur von Gottes initialer Schöpfung. Wir sprechen davon wie Geist Materie beeinflusst.
Damit hatte ich zuerst den menschlichen Geist gemeint. Das Ich, von dem du sagst, dass es denkt. Das Denken kann durch Gehirnströme festgestellt werden. Wie macht der Geist das?

Zusätzlich ist es so, dass Gott auch heute noch handelt. Er handelt JETZT. Er handelt in diesem Augenblick. Wie kommt sein Handeln in diese Welt. Lös dich doch mal von Genesis und frage dich, was jetzt um dich herum vorgeht, was in dir vorgeht.
Und wie es vorgeht.
Gott würfelt nicht, meinte Einstein. Aber er irrte. Gott nutzt den Zufall - jeden Tag.

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Helmuth
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Re: Die geistige Wirklichkeit des Menschen

Beitragvon Helmuth » Do 7. Dez 2017, 10:58

ThomasM hat geschrieben:Die Einseitigkeit und Beschränktheit christlich trainierten Denkens ist manchmal eine echte Last. Diese stereotype Antwort höre ich immer (und hatte sie auch erwartet) und du verschleierst damit nur, dass du keine Ahnung hast, was da vor sich ging.

Das sind eben die Basics. Wie das Ohm'sche Gesetz oder der Impulssatz. Wenn du dies nicht glaubst, dann geht dein Denken in eine wirre Richtung.

ThomasM hat geschrieben:Aber wir sprechen ja nicht nur von Gottes initialer Schöpfung. Wir sprechen davon wie Geist Materie beeinflusst.

Was willst du hören? Sieh dir die Menschen an. Studienmaterial in Hülle und Fülle. :mrgreen:

ThomasM hat geschrieben:Damit hatte ich zuerst den menschlichen Geist gemeint. Das Ich, von dem du sagst, dass es denkt. Das Denken kann durch Gehirnströme festgestellt werden. Wie macht der Geist das?

Es gibt einen erforschbaren und einen nicht erforschbaren Bereich. Das Forum ist aber denkbar (ja was denn, schon wieder dieses Wort :D ) ungeeignet, deinen intellektuellen Wissensdurst zu löschen. Dazu geh auf die Uni und studiere Neurophysiologie. Ich habe das mal in meiner Jugendzeit nebenbei gemacht, habe mich dann später aber doch für Technik entschieden.

Du kannst also studieren wie eine Geistesregung sich materiell manifestiert, dazu die Hirnforschung, du kannst aber nicht erforschen wie sich Gedanken an sich bilden. Wie ich z.B auf ein Wort von dir reagieren werde. Denn dann ist es in meinem Geist und nicht mehr nur ein neuronaler Schaltzustand.

Du willst immer noch nicht die reine Trägerfunktion des geschaffenen Irdischen, damit dem Gehirn, wahrhaben. Dann stocken wir hier eben und ich ziehe mich zu deinem Leidwesen halt wieder auf das geschriebene, geoffenbarte Wort zurück:
1Kor 2, 11 hat geschrieben:Denn wer von den Menschen weiß, was im Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also weiß auch niemand, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes.

Und Gott selbst ist kein Bestandteil der Schöpfung, wiewohl er in uns wohnt.

ThomasM
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Re: Die geistige Wirklichkeit des Menschen

Beitragvon ThomasM » Do 7. Dez 2017, 13:31

Helmuth hat geschrieben:
Wenn du dies nicht glaubst, dann geht dein Denken in eine wirre Richtung.

Na, na, schon wieder dieses werfen mit Unglaube.
Auch du plapperst Dinge nach (stehen ja so in der Bibel), ohne zu wissen, was du da sagst. Das ist das Problem.

Helmuth hat geschrieben:Was willst du hören? Sieh dir die Menschen an. Studienmaterial in Hülle und Fülle. :mrgreen:

Den Geist der Menschen sieht man nicht, also kein Studienmaterial.
Ich weiß ja noch nicht einmal, ob die einen haben. Ich sehe nur Menschen.

Du sagst "Geist gibt es und er denkt". Ich frage mich immer noch, woher du das wissen willst.

Helmuth hat geschrieben:Es gibt einen erforschbaren und einen nicht erforschbaren Bereich.

Das Credo der Naturwissenschaft: Messe, was messbar ist und mache messbar, was nicht messbar ist.
Auch hier muss den Christen vorgeworfen werden, dass sie nicht neugierig genug sind.
Wenn man Bereiche ausschließt, dann muss man gute Gründe haben. Diese gilt es auch immer wieder auf die Probe zu stellen.

Helmuth hat geschrieben:Du kannst also studieren wie eine Geistesregung sich materiell manifestiert, dazu die Hirnforschung, du kannst aber nicht erforschen wie sich Gedanken an sich bilden. Wie ich z.B auf ein Wort von dir reagieren werde. Denn dann ist es in meinem Geist und nicht mehr nur ein neuronaler Schaltzustand.

Das kann man erforschen, da dein Geist ja neuronale Spuren hinterlässt. Also kann man studieren, wie deine Gedanken Zustandekommen. Das wird bereits Erkenntnisse dazu bringen, wie sich deine Gedanken formen.
Es gibt bereits Forscher, die behaupten, man könnte mit der Technik Gedanken lesen. Das bezweifle ich aber. Nicht weil es unerforschlich ist, sondern weil ich bezweifle dass es eine eindeutige Abbildung gibt. Aber mit Statistik wird man weit kommen.

Helmuth hat geschrieben:Du willst immer noch nicht die reine Trägerfunktion des geschaffenen Irdischen, damit dem Gehirn, wahrhaben. Dann stocken wir hier eben und ich ziehe mich zu deinem Leidwesen halt wieder auf das geschriebene, geoffenbarte Wort zurück:
1Kor 2, 11 hat geschrieben:Denn wer von den Menschen weiß, was im Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also weiß auch niemand, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes.

Und Gott selbst ist kein Bestandteil der Schöpfung, wiewohl er in uns wohnt.

Die reine Trägerfunktion ist eine Behauptung, die es zu beweisen gilt.
Genauso übrigens wie umgekehrt, dass Geist eine reine Konsequenz der Materie ist. Auch das eine Behauptung, die noch zu beweisen ist.

Das Korintherzitat ist übrigens nur ein Ausdruck der allgemeinen Weisheit, dass nur ich weiß, was in mir vorgeht. Das wussten eben auch die alten Griechen. Mit der Technologie der Gehirnscans gibt es nun aber Ansätze, dass man von außen sehen kann, was in mir vorgeht.
So etwas hatte der Paulus eben noch nicht.
Insofern ist das Zitat korrekt, aber eben nur solange, bis klar ist, welche Möglichkeiten die neue Technik bietet.

Das genau meine ich, wenn ich beklage, dass Christen die Technik verschlafen.
Sie ziehen sich auf das Kor. Zitat zurück und sagen "Ich glaube Gottes Wort und es wird niemals jemand mir beim Denken zuschauen" und lehnen sich bequem zurück und ignorieren.
Bis die Realität sie einholt und sie erkennen müssen, dass sie den Kor. Text falsch verstanden haben. Sie haben sich zu spät damit auseinandergesetzt und die Menschen laufen ihnen weg, weil die Christen so rückständig sind.
Als Konsequenz wird die Botschaft Jesu unglaubwürdig dargestellt - von dem christlichen Bodenpersonal.

Das ist beim heliozentrischen Weltbild so geschehen, es ist bei Evolution so geschehen, es wird sich bei der Hirnforschung wiederholen
Gott würfelt nicht, meinte Einstein. Aber er irrte. Gott nutzt den Zufall - jeden Tag.

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Re: Die geistige Wirklichkeit des Menschen

Beitragvon JackSparrow » Do 7. Dez 2017, 19:16

Helmuth hat geschrieben:Du musst diese Annahme treffen, dass Information an sich immateriell ist.

Du musst die Tatsache akzeptieren, dass eine in-formatio etwas in eine Form Gebrachtes ist und daher immer nur materiell vorliegen kann.

Lernen wiederum kann ebenfalls nur der Geist

Lernen kann nur der Hippocampus. Dazu gibt es sogar klinische Fallbeispiele.

wenn nicht verkommt das Kind irgendwann zu einer mehr oder weniger assozialen kriminellen Natur.

Soziopathie ist genetisch bedingt. Alternativ könnte eventuell ein Unfall mit einer Schrotflinte oder eine Maserninfektion zu ähnlichen Resultaten führen.

Es gibt kaum wissenschaftliche Erklärungen für Mutationen, oder sind wie so oft unzureichend.

Warum kann eine Robertson-Translokation oder eine Non-disjunction in der zweiten meiotischen Teilung nicht zu Mutationen führen und wie viele wissenschaftliche Erklärungen kennst du sonst noch?

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Helmuth
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Re: Die geistige Wirklichkeit des Menschen

Beitragvon Helmuth » Fr 8. Dez 2017, 11:20

ThomasM hat geschrieben:Messe, was messbar ist und mache messbar, was nicht messbar ist.
Auch hier muss den Christen vorgeworfen werden, dass sie nicht neugierig genug sind.

Auf mangelndes Interesse stößt man nicht nur bei Christen, das hat mit Christentum so gut wie nichts gemeinsam. Ignoranz wird man überall finden. Mein Problem ist, ich verfüge nicht über die Zeit, alles zu erforschen, ich würde gerne so vieles, muss aber Prioritäten setzen.

Ich bin in meinem Berufsfeld messtechnisch ausgebildet, aber die Naturwissenschaft kann nur Physisches messen. Zu sagen Geist wäre messbar ist für mich ein Blödsinn. Es heißt nicht umsonst Geistliches und geistlich beurteilt werden.

Willst du also messen wie schwer ein Strafvergehen zu bewerten ist, so ist das ein juristisch moralischer Aspekt. Oder gibt es ein Verbrechometer, dass du an das Gehirn eines Menschen anlegen konntest, um seine kriminelle Energie zu messen? Naja in Filmen gibt es alles, real eben nicht.

Es wird also weiterhin das Natürliche natürlich, das Geistige hingegen geistig bewertet werden müssen. Einfach eine Tatsache, weiß nicht, warum du krampfhaft nach anderen Lösungen suchst. Ich kann mit dieser simplen Sichtweise bestens mein Leben bestreiten.

ThomasM
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Re: Die geistige Wirklichkeit des Menschen

Beitragvon ThomasM » Sa 9. Dez 2017, 17:26

Helmuth hat geschrieben:
Ich bin in meinem Berufsfeld messtechnisch ausgebildet, aber die Naturwissenschaft kann nur Physisches messen. Zu sagen Geist wäre messbar ist für mich ein Blödsinn. Es heißt nicht umsonst Geistliches und geistlich beurteilt werden.

Nun, wenn man die Aussage, dass Geist Materie formt, ernst nehmen will, dann muss es materielle Spuren geistlichen Wirkens geben. Das kann man messen.
Aber du überinterpretierst die entsprechende Bibelstelle. Die Aussage "Nur der Geist Gottes kann Gott beurteilen" oder "es kann nur geistlich beurteilt werden", meint, dass Glauben hinter der Beurteilung stehen muss. Ein Ungläubiger kann die geistlichen Dinge nicht beurteilen, weil er ganz einfach ein anderes Weltbild hat.
Redest du aber allgemein von Geist (von dem du ja annimmst, dass es Menschen haben, unabhängig von ihrem Glauben) oder von der Interaktion Geist-Materie, so hat der Bibelvers damit nichts zu tun.

Helmuth hat geschrieben:Willst du also messen wie schwer ein Strafvergehen zu bewerten ist, so ist das ein juristisch moralischer Aspekt. Oder gibt es ein Verbrechometer, dass du an das Gehirn eines Menschen anlegen konntest, um seine kriminelle Energie zu messen? Naja in Filmen gibt es alles, real eben nicht.

Das sind teilweise andere Fragen, Sogar der Lügendetektor, den Pluto angesprochen hat, hat eine eigene Dimension. Denn lügen kann ein Mensch nur, wenn er weiß, dass er lügt und wenn er sich bewusst ist, dass das etwas Unrechtes ist.
Genauso ist die Bewertung eines strafwürdigen Geschehens eine vollkommen andere Fragestellung. Hier kommen zeitliche und gesellschaftliche Komponenten hinzu, die nichts mit dem Wirken eines Geist zu tun haben.

Helmuth hat geschrieben:Es wird also weiterhin das Natürliche natürlich, das Geistige hingegen geistig bewertet werden müssen. Einfach eine Tatsache, weiß nicht, warum du krampfhaft nach anderen Lösungen suchst. Ich kann mit dieser simplen Sichtweise bestens mein Leben bestreiten.

Mag sein, aber du verwechselst da zwei Dinge.
Geistliches in Form des Glaubens an Jesus ist etwas, was ein nicht-Glaubender nicht beurteilen kann. Das hat auch nichts mit dem Einfluss von Geist auf Materie zu tun und auch nichts damit, ob der Glaubende einen Geist hat oder nicht, sondern allein deswegen, dass man eine gemeinsame Basis braucht, um etwas beurteilen zu können. Und hinsichtlich des Glaubens gibt es mit einem Ungläubigen keine gemeinsame Basis.

machst du aber eine generelle Aussage, wie dass Geist Materie beeinflusst - und zwar unabhängig vom Weltbild - dann bist du auf einer anderen Ebene und solche Aussage reizen den Physiker in mir, der wissen will, wie die Dinge funktionieren. Eine solche Frage würde auch Pluto interessieren, obwohl der mit dem Glauben ja nichts zu tun hat.
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Re: Die geistige Wirklichkeit des Menschen

Beitragvon Novalis » Sa 9. Dez 2017, 18:05

ThomasM hat geschrieben:Warum hast du nicht geschrieben "Und Gott zauberte und es wurde"? Oder warum sagst du nicht wenigstens ehrlich "ich habe keine Ahnung"?


Natürlich sind alle Fragen erlaubt. Wenn ich sage, dass wir in einem mentalen Universum leben und das All Reiner Geist (Spirit) ist, dann darf das hinterfragt werden. Das ist für mich eine Arbeitshypothese und ein Gedankenexperiment zu dem ich jedem einlade, kein Dogma welches geglaubt werden muss. Ich habe auch kein Problem damit mein Nicht-Wissen zuzugeben: der Reine Geist kann von uns nicht definiert werden, denn seine Definition käme einer Definition des Alls gleich. Reiner Geist ist also ein Name, den wir verwenden, um das All zu beschreiben, welches wir uns als einen unendlichen lebendigen Geist vorstellen, der unsrem eigenen Geist ähnlich, aber unendlich überlegen ist. “Und Gott zauberte und es wurde” halte ich tatsächlich für eine passende Beschreibung: denn die Idee, dass Geist/Bewusstsein über die Materie herrscht, sie formen und ins Dasein rufen kann, ist die Bedeutung von Magie.
Zuletzt geändert von Novalis am Sa 9. Dez 2017, 18:12, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Die geistige Wirklichkeit des Menschen

Beitragvon Pluto » Sa 9. Dez 2017, 18:07

Helmuth hat geschrieben:Zu sagen Geist wäre messbar ist für mich ein Blödsinn. Es heißt nicht umsonst Geistliches und geistlich beurteilt werden.
Geist kann man nicht messen, aber man kann es untersuchen.

Helmuth hat geschrieben:Naja in Filmen gibt es alles, real eben nicht.
Real gibt es zumindest den IQ Test, ein relativer Maßstab für Intelligenz.

Helmuth hat geschrieben:Es wird also weiterhin das Natürliche natürlich, das Geistige hingegen geistig bewertet werden müssen. Einfach eine Tatsache, weiß nicht, warum du krampfhaft nach anderen Lösungen suchst. Ich kann mit dieser simplen Sichtweise bestens mein Leben bestreiten.
Simple Sichtweisen sind was für simple Menschen. :P
Geist als Prozess des Gehirns kann man untersuchen, und Ähnlichkeiten feststellen. Das Gerät dazu heißt f-MRI.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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Re: Die geistige Wirklichkeit des Menschen

Beitragvon Novalis » Sa 9. Dez 2017, 18:20

Der unendliche, über die materielle Welt herrschende SCHÖPFERGEIST ist der größte Magier :thumbup: und der Mensch, geschaffen nach seinem Bild, ebenfalls ein geistbegabtes Wesen, hat Anteil an seiner Schöpferkraft. Alle magische Praxis beruht auf der bewussten Arbeit mit dem Prinzip der Mentalität, beispielsweise durch Invokation (lat. invocatio „Hineinrufung“) wenn Du ein Gebet sprichst, "im Namen Jesu Christi" oder wenn Du die Worte einer heiligen Schrift zitierst, weil Du ihnen eine besondere Kraft zusprichst, so ist das eine Invokation. In diesem Sinne folgen alle spirituelle Menschen einer magischen Praxis ob sie das nun zugeben wollen oder nicht. Jeder Christ ist ein Magier. Ich stimme diesem Credo von Ernest Holmes zu, dessen Buch The Science of Mind ich jedem nur empfehlen kann:

Wir glauben an Gott, den lebendigen Allmächtigen Geist; einer, unzerstörbar, absolut und aus sich selbst existierend. Dieses eine offenbart sich in und durch alle Schöpfung, aber ist von ihr nicht aufgenommen. Das offenbarte Universum ist der Körper Gottes; es ist das logische und notwendige Produkt des unendlichen Selbst-Bewusstseins Gottes.Wir glauben an die Inkarnation des Geistes in Allem, und dass wir alle Inkarnationen des Einen Geistes sind. Wir glauben an die Ewigkeit, die Unsterblichkeit und das Fortbestehen der individuellen Seele, die für immer und ewig wächst. Wir glauben dass das Königreich des Himmels in uns ist, und dass wir dieses Königreich zu dem Grad erfahren, zu dem wir uns dessen bewusst werden. Wir glauben, dass es das höchste Ziel des Lebens ist, die vollständige Loslösung jeglicher Zwietracht der Naturen zu erreichen, und dass dieses Ziel von jedem erreicht wird. Wir glauben an die Einheit allen Lebens, und daran, dass der höchste Gott und der innerste Gott ein und derselbe sind.

Wir glauben, dass Gott persönlich ist zu jedem, der seine innewohnende Präsenz spürt. Wir glauben an die direkte Offenbarung der Wahrheit durch unsere intuitive und spirituelle Natur, und daran, dass jeder ein Offenbarer werden kann, der in engem Kontakt mit dem in ihm wohnenden Gott lebt. Wir glauben, dass der Universelle Geist, der Gott ist, durch einen Universellen Verstand handelt, der das Gesetz Gottes ist; und dass wir umgeben sind von seinem Kreativen Geist, der von unseren Gedanken und Taten, die ihn betreffen, direkt beeinflusst wird. Wir glauben an die Heilung der Kranken durch die Kraft dieses Geistes. Wir glauben an die Kontrolle von Situationen durch die Kraft dieses Geistes. Wir glauben an die ewige Güte, die ewige liebende Gunst und das ewige Geschenk des Lebens für alle. Wir glauben an unsere eigene Seele, unseren eigenen Geist und unsere eigene Bestimmung; weil wir verstehen, dass unser Leben Gott selbst ist.


Pluto hat geschrieben:Simple Sichtweisen sind was für simple Menschen. :P Geist als Prozess des Gehirns kann man untersuchen, und Ähnlichkeiten feststellen


Der materialistische Reduktionismus ist doch selbst nichts anderes, als eine - um deine Worte zu gebrauchen - simple Sichtweise für simple Menschen, eine sehr vereinfachte Sichtweise auf die Realität. Ein materialistischer Reduktionismus, der die Sinnfrage und die Dimension der Transzendenz ausblendet, kommt all jenen einfachen Gemütern, die von vornherein ein Flachland-Denken bevorzugen, sicher sehr entgegen. Was meinst Du, warum Philosophen wie Ken Wilber und Thomas Nagel das inzwischen kritisieren? Der gegenwärtige Diskurs geht eher in diese Richtung: Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist Geist ist die „wirkliche Essenz“ aller Dinge und die ganze materielle Welt geistigen Ursprungs. Thomas Nagel geht ganz klar in diese Richtung, denn er sagt, dass die intelligible Evolution als etwas verstanden werden muss, das von Anfang an fähig ist, Geist hervorzubringen. Er ist also der Ansicht, dass Geist und Natur zusammengedacht werden und nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten.

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Re: Die geistige Wirklichkeit des Menschen

Beitragvon Novalis » Sa 9. Dez 2017, 20:43

Die neue Orthodoxie. Wann hat es das zuletzt gegeben? Mit seinem fulminanten Buch "Geist und Kosmos" attackiert der Philosoph Thomas Nagel das Weltbild der Naturwissenschaften.

Die Stellung des Menschen im Kosmos ist nicht schwer zu bestimmen. Nach Lage der Dinge handelt es sich bei ihm um eine singuläre Erscheinung, denn außerirdische Mitbewerber haben sich bislang nicht blicken lassen. Dass der Mensch "Geist" hat, ist einzigartig und grenzt an ein Wunder. Niemand allerdings kann sagen, ob dieser "Geist" den Planeten nicht eines Tages zugrunde richten wird. Wenn ja, dann wäre der Mensch ein Fehlversuch der Natur gewesen und die Zivilisation ein Wimpernschlag in der Erdgeschichte. Wie aber entstand menschliches Leben, wie entstanden Geist und Vernunft? Die Standardantwort kommt, von wem auch sonst, von den Naturwissenschaften, und sie ist so einleuchtend, dass jedes Schulkind sie herunterbeten kann: Was wir "Leben" nennen, ist das Resultat der natürlichen Evolution. Mit seinem "Geist" und seiner "Vernunft" steigert der Mensch seine reproduktive Fitness, sie sind nützliche Helfer im Überlebenskampf der Gattung.

Diese biowissenschaftliche Sicht auf "Leben" und "Geist" hat den erbitterten Widerspruch einiger Philosophen hervorgerufen, aber niemand wird behaupten können, ihr Protest habe sonderlich Eindruck gemacht. Doch das könnte sich nun ändern. Mit Thomas Nagel hat noch einmal ein Philosoph den Fehdehandschuh geworfen, und er startet mit seinem Buch Geist und Kosmos einen so rabiaten Angriff auf das naturalistische Weltbild, dass bereits das Wort vom sciences war die Runde macht.

Das akademische Milieu in Amerika jedenfalls ist in Aufruhr. Via Twitter beschwerte sich der Linguist und Psychologe Steven Pinker über Nagels "schlampige Beweisführung" und nannte den 76-Jährigen einen großen Denker, der seine besten Tage leider hinter sich habe. Der Philosoph (und Naturalist) Daniel Dennett ernannte Nagel zum Mitglied einer "rückwärtsgewandten Gang", sein Werk sei "völlig wertlos" und nicht einmal würdig, verdammt zu werden. Und der Philosoph Simon Blackburn bedauerte aufrichtig, dass es keinen "philosophischen Vatikan" gebe, denn Nagels Pamphlet sei "ein guter Kandidat für den Index". Diese Attacken wiederum brachten Leon Wieseltier, Herausgeber der Zeitschrift The New Republic, in Harnisch, und er feuerte zurück: Nur weil Nagel den "Säkularglauben des Establishments" angreife, die unerträgliche "szientistische Tyrannei", falle ein "bis an die Zähne bewaffneter darwinistischer Mob" über ihn her und versuche, ihn mundtot zu machen.

Gutartige Mitteleuropäer begreifen diesen Tumult nur, wenn sie sich klarmachen, dass im angelsächsischen Raum die Uhren anders gehen. Wissenschaftler wie Dennett, Pinker und andere verstehen sich als liberale Aufklärer und fühlen sich, nicht zu Unrecht, von der evangelikalen Mafia und ihrer christlichen Weltentstehungslehre (Intelligent Design) verfolgt. Wer es also wagt, den erzkonservativen Kreationisten irgendeine Konzession zu machen oder gar, wie Nagel, zu behaupten, sie stellten immerhin die richtigen Fragen – solch einer ist in ihren Augen dann rechts, er ist ein Dunkelmann und Gegenaufklärer.

Thomas Nagel, Schüler von John Rawls und zuletzt Professor an der New York University, ist allerdings nicht irgendwer; er ist ein intellektuelles Schwergewicht, und sein 1974 erschienener Aufsatz Wie ist es, eine Fledermaus zu sein? gilt zu Recht als kanonischer philosophischer Text, weil er schlagend erklärt, dass wir prinzipiell nichts über fremdes Selbsterleben wissen und dieses auch nicht in szientistischer Sprache beschreiben können. Nagel ist kein Hitzkopf, er argumentiert ruhig und präzise und ganz ohne die hierzulande beliebte rhetorische Blasenbildung. Zugegeben, Geist und Kosmos ist ein schwieriges Buch, weil die Materie schwierig ist, aber es liest sich gleichwohl so spannend wie ein Wissenschaftskrimi.

Die Ausgangsthese klingt einfach und wird im Buch hinreichend oft wiederholt: Was die Naturwissenschaften über die Entstehung der Gattung herausgefunden haben, verdient Bewunderung und ist schlicht großartig. Doch der Anspruch, es handele sich um eine universale Welterklärung, eine "Theorie für alles", ist für Nagel anmaßend und haltlos. In Wirklichkeit seien Biologie, Chemie und Physik unfähig, zu erklären, wie aus toter Materie Leben entstand und aus dummen Bakterien "Geist" und "Bewusstsein". Viele Erklärungen der naturwissenschaftlichen Orthodoxie, zum Beispiel Richard Dawkins’ Rede vom "blinden Uhrmacher", seien nämlich keine Erklärungen, sondern Metaphern, die erst einer Erklärung bedürften. "Je mehr Einzelheiten wir über die chemische Basis des Lebens und die Vertracktheit des genetischen Codes erfahren", desto unglaubwürdiger werde die ganze Theorie.

Damit diese eklatante Erklärungslücke nicht auffällt, schreibt Nagel weiter, flüchteten sich viele Naturwissenschaftler in einen materialistischen Reduktionismus, oder schlichter gesagt: Was nicht in ihr neodarwinistisches Theoriekorsett passt ("alles ist Auslese"), wird abgeschmirgelt, ausgeschlossen oder sonst wie hingedrechselt. "Die großen Fortschritte in den physikalischen und biologischen Wissenschaften wurden durch den Ausschluss des Geistes möglich gemacht." Subjektivität zum Beispiel, das innere Selbsterleben des Menschen, werde auf einen neuronalen Juckreiz reduziert, auf ein Synapsengestöber im Hirn – Denken und Gefühle sind alles Moleküle. Das Ergebnis ist ein Desaster. Der "normale Mensch" mit seinen Regungen, Wünschen und Überzeugungen fühlt sich wie ein Außerirdischer und vermag sich im "geistlosen Universum" der Naturwissenschaften nicht wiederzuerkennen. Tatsächlich, so Nagel, schauen die Naturwissenschaften nur von außen auf das Subjekt, während ihnen die mentale Innenwelt, das geheimnisvolle Universum des Selbstempfindens, unbegreiflich bleibt. Sie sind blind dafür, dass "wir große, komplizierte Fälle von etwas sind, das objektiv physikalisch von außen und subjektiv mental von innen ist". Bedauerlicherweise nehme niemand Anstoß daran. Die "säkulare Kultur" sei einer "Einschüchterung erlegen" und halte das "reduktive Forschungsprogramm für sakrosankt". So triumphiere mit dem Neodarwinismus eine falsche und "ideologische Theorie über den gesunden Menschenverstand. Ich würde darauf wetten wollen, dass der gegenwärtige Konsens in einer oder zwei Generationen lachhaft wirken wird."

Zeit.de: Thomas Nagel: Geist und Kosmos
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